Oberrhein

Festungsanlage öffnen sich für historische Besichtigungen

Ein Rundgang mit einer zweisprachigen Präsentationsskarte führt zu dreißig Festungsanlagen und Verteidigungswerken am Oberrhein. Besucher werden ein wenig bekanntes Erbe entdecken, das von drei Jahrhunderten von Auseinandersetzungen zeugt.

Zitadelle von Bitche

Natürlich gibt es die Maginot- und die Siegfried-Linie. Die Geschichte der Festungsanlagen und Verteidigungslinien zwischen Wissembourg, Bitche, Nordbaden und der Südpfalz beschränkt sich aber nicht auf die berühmte deutsch-französische Untergrundkonfrontation zwischen den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert.

Die Konfrontation begann drei Jahrhunderte früher und nahm viele Formen an: Bau von Zitadellen, Verstärkung von Burgen, Bau von befestigten Orten von Grund auf. Und es ging nach 1945 weiter: Ein Nato-Bunker wurde zu einem lokalen Zeugnis des Kalten Krieges.

Jede dieser Anlagen, oder zumindest die meisten davon, sind bekannt. Dass sie eine relativ zusammenhängende Kette auf einer mehr als lokalen Ebene bilden, wurde etwas unvermutet. Die Vernetzung der Festungsanlagen soll dies hervorgehoben und einen neuen touristischen Pluspunkt für das Gebiet schaffen. Dieses gemeinsame Marketing wurde in diesem Frühjahr vom Touristik-Gemeinschaft Baden-Elsass-Pfalz "Vis-à-vis", dem Eurodistrict Pamina und dem Tourismuszenttrum Germersheim (Deutschland) für 30 Orte ins Leben gerufen.

"Mit der Brille der Vergangenheit lässt sich das vereinte Europa noch mehr schätzen", betont Gerd Hager, Geschäftsführer der Tourismtik-Gemeinschaft Vis-à-Vis. 

Um Besucher aus nah und fern anzureizen, auf dieser Route ganz oder teilweise zu halten, haben die Veranstalter eine zweisprachige, erklärende Übersichtskarte mit Auflage von von 100.000 Stück herausggegen. Zusätzlich ladet ein Stempelpass (Auflage von 15.000 Exemplaren) ein, so viele Orte wie möglich zu besuchen, um Einreisestempel zu sammeln. Zehn verschiedene Besuche erlauben die Teilnahme an einem Gewinnspiel am Ende des Jahres mit  zahlreichen Geschenken.

Germersheimer Tor Weißenburg

Auf deutscher Seite die Festung Germersheim, erbaut von 1834 bis 1861

© Magazine Rheinblick

Abwechslungsreiche Geschichten

Monotonie sollte den eifrigen Besucher nicht überfordern, denn die Profile, Geschichten und Kontexte der Standorte variieren erheblich. Viele von ihnen tragen die Handschrift von Vauban, dem Militärarchitekten von Ludwig XIV. Auf der Karte des Reiseführers sind sie unter dem Thema "Vaubans Erbe" gruppiert. Der berühmte Marquis hinterließ glänzende Zeugnisse wie die Festung von Fort-Louis, die Ende des 17. Jahrhunderts vollständig erbaut wurde, die Zitadelle von Bitche und die Festung von Landau, aber auch diskretere Zeugnisse wie die Modernisierung der mittelalterlichen Burg von La Petite-Pierre. Auch die Zeit des Zweiten Reiches (1870 - 1918) war reich an "kaiserlichen" Festungsbauten, wovon die Podbielski-Festung in Mundolsheim, nördlich von Straßburg, ein lokales Beispiel ist. Verteidigungslinien (auf deutscher Seite vor allem Queich, Eppingen und Ettingen), die Festungen Germesheim und Rastatt vervollständigen das Netz, das die Reste der Maginot- und Siegfried-Linie einschließt und bis zu Museen reicht, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Als Gewinner der Interreg-Mikroprojekte wird diese "Vernetzung deutsch-französischer historischer Festungsanlagen und historischen Linien", wie sie offiziell benannt wird, vom europäischen Kulturwegenetzwerk Forte Cultura unterstützt.

Schoenenbourg

Der Artillerieblock Fort Schoenenbourg in Hunspach (Bas-Rhin) ist der größte der Maginot-Linie, der in der Region besichtigt werden kann

© Magazine Rheinblick

Wanderausstellung

Eine neunstufige Wanderausstellung, deren erste Etappe noch bis zum 25. Juli in Landau zu sehen ist, soll zudem die Einzigartigkeit dieser Geschichte und die Arbeit der Projektförderung bis 2022 verdeutlichen. In den nächsten Wochen wird der "Festungssommer dOberrhein" mit mehreren Vorträgen beginn, dann wird am 10. Oktober ein Bürgerfest stattfindet, mit Höhepunkt eine Darstellung von Soldaten in historischen Uniformen.

Die Initiative ist auch Teil des Gedenkens an die Schlachten des Krieges von 1870-1871, die mehrere der vernetzten Orte prägten oder vorbereiteten. Sie soll den Wendepunkt hervorheben, den die deutsch-französische Versöhnung und das europäische Aufbauwerk darstellen: Für ein Grenzgebiet wie dieses geht es nicht mehr darum, sich gegen den Anderen zu versperren, sondern sich ihm zu öffnen.

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