Frankreich-Deutschland

ProTandem kommt wieder in die Spur

Die Gesundheitskrise hätte für die Agentur ProTandem, die sich auf den Austausch zwischen französischen und deutschen Auszubildenden und Schüler/innen spezialisiert hat, fatal sein können. Um den grenzüberschreitenden Kontakt aufrechtzuerhalten, hat die Agentur neue Online-Angebote finanziert und entwickelt, ohne die Organisation von realen Begegnungen zwischen jungen Menschen aus beiden Ländern aufzugeben.

Protandem

Die seit 1980 in Saarbrücken ansässige deutsch-französische Agentur ProTandem, die sich für den Austausch von Schülern, Auszubildenden und Erwachsenen in der Weiterbildung spezialisiert hat, konnte Anfang 2020 eine sehr ordentliche Bilanz vorweisen. Das ehemalige deutsch-französische Sekretariat hatte 110.000 Auszubildende, Schüler/innen und Begleiter/innen über die Grenze gebracht und die ProTandem Förderprogramme kamen jedes Jahr ca. 3.000 Menschen zugute. Doch die vorgesehen Feierlichkeiten zum 40-jährige Jubiläum kamen ins Stocken. Im Märzmusste die Agentur die Auszubildenden eilig in ihre Heimatländer zurückschicken und alle geplanten Austausche absagen.

Frédérik Stiefenhofer

© ProTandem

"Von Beginn des ersten Lockdowns an haben wir den Neustart der Austausche über Online-Formate vorbereitet und einen Wiederaufnahmeplan erstellt, um die Azubi-Austausche flexibler und einfacher zu gestalten. Diese Flexibilisierungen sind noch mindestens bis Juni 2022 gültig; unser neues Online-Angebot wird es auch über die Coronakrise hinaus weiter geben", sagt Frédérik Stiefenhofer, deutscher Delegierter ProTandems.

Neue digitale Austausch-Formate

Die Bewerbung wurde vereinfacht, die Mindestteilnehmerzahl von acht auf sechs Personen und die Aufenthaltsdauer von drei auf zwei Wochen verringert. Diese Veränderungen, die mit der erhofften Rückkehr zur Normalität im Frühjahr 2020 einhergehen sollten, kamen ins Stocken, als die Pandemie sich im Herbst wieder verschärfte. Auf der anderen Seite konnte ProTandem neue digitale Formate entwickeln, die wesentliche Elemente der bisherigen Austauschprogramme online stattfinden ließen.

Die Ministerien für Bildung, Jugend und Sport, Arbeit, Europa und Auswärtige Angelegenheiten auf französischer Seite und das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf deutscher Seite, die das Programm mit durchschnittlich 3 Millionen Euro pro Jahr finanzieren, haben einen Teil der ungenutzten Mittel mobilisiert, um mehr Online-Austausche zu finanzieren. Ein Pauschalbetrag von bis zu 250 Euro pro Teilnehmendem trägt zur Anschaffung von Computer-Hardware und -Software bei sowie zur Finanzierung von Internetpauschalen für Teilnehmenden, die weit von ihrem Ausbildungszentrum entfernt sind. Das Paket hilft auch dabei, Videos zu produzieren, die die Schule, die Stadt oder die Region vorstellen.

Abstimmungstreffen auf Distanz

Die Austauschprogramme werden wieder aufgenommen, einige haben sogar während der Pandemie neu begonnen. Das berufliche Gymnasium Algoud-Laffemas in Valence, im Département Drôme hat mit seinem Pendant ITECH Elbinsel Wilhelmsburg in Hamburg digitale Lösungen für das Wohnen der Zukunft entwickelt. Schüler des Jean-Mermoz-Gymnasiums in Montsoult (Val d'Oise) und des Heinrich-Hertz-Berufskollegs in Düsseldorf haben ihre elektrotechnische Ausbildung mit Tandem-Sprachkursen kombiniert.

Die ersten konkreten Austauschprojekte, die schon wieder aufgenommen wurden, profitieren von einer Erhöhung der Tagespauschale von 35 auf 40 Euro auf französischer Seite gegenüber 46 Euro auf der deutschen Seite. Den Auszubildenden und Ausbilderteams steht weiterhin ein ständiger Übersetzungsdienst zur Seite. ProTandem verstärkt darüber hinaus auch seine Verbindungen zum Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und zur Deutsch-Französischen Handelskammer. Im kommenden November werden die drei Partner erstmal gemeinsam den deutsch-französischen Preis „Beruf und Zukunft“ in drei Kategorien vergeben, und zwar an eine Klasse für die Qualität eines deutsch-französischen Projekts, an ein Unternehmen für die Qualität seiner Lehrlingsausbildung und an eine Schule für eine innovative Bildungsinitiative.

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