Großregion

Frontières-Preis öffnet Literatur-Horizont für Akademiker

Seit seiner ersten Ausgabe hat der von der Universität der Großregion verliehene Literaturpreis Frontières weit getragen.

Prix littéraire

Die von der kamerunischen Autorin Léonora Miano gestiftete Trophäe erhält der spanische Schriftsteller Andrés Barba für seinen Roman "Une république lumineuse" (éditions Christian Bourgeois), der sich in Südamerika abspielt.

Am 19. Juni wurde der Getreidespeicher von Chèvremont, der die Statuen des Messinischen Hofmuseums beherbergt, für eine Zeit Zentrum der internationalen Literatur. Die von Togo ausgereistete kamerunische Autorin Leonora Miano, nahm an der Verleihung teil. Gregory Hamez, Direktor des geographischen Forschungszentrums LOTERR an der Universität Lothringen, erklärte den Zuhörern die Erwartungen des großregionalen Jury. Der spanische Gewinner, Andrès Barba, erhielt seinen Preis per Video vom "Dreifachpunkt" aus, einem Standort am Rande von Paraguay, Brasilien und Argentinien.

Grenzen und Fiktion

Andrès Barba

© Université de Lorraine

"Das Land ist nur eine Fiktion. Einem Land zu gehören bedeutet, eine Sprache und eine Geschichte zu haben, aber das Land existiert nur, wenn man ein Land sein will. Ebenso sind die Grenzen eine Fiktion, da sie sich verschieben können, wenn wir uns entscheiden, sie sollten sich ändern", äusserte der Schriftsteller.

Das Szenario seines Romans spielt sich im südamerikanischen Dschungel  ab. Es erzählt über seltsame eingeborene Kinder, die einen Sozialbeamten verwirren. Der junge Dramatiker Guillaume Poix gewann den zweiten Preis mit "Là d'où je viens a disparu" (erschienen bei Verticales), einem Roman über Exil, dessen Träume und Tränen. Den dritten Preis erhält die Kindheitserinnerungen von "Alger, rue des Bananiers" (Verdier), die von der Autorin Béatrice Commengé als Bildergalerie vorgestellt werden.

Nicht nur eine Trennung

Die Wahl von Metz als Verleihungsstandort, anlässlich des Festivals "Le Livre à Metz" - Literatur & Journalismus", ist kein Zufall.

François Grosdidier

© Philippe Gisselbrecht – Ville de Metz

"Metz ist eine Stadt des Zusammenflusses. Während angespannten Zeiten war sie ein Bastion oder ein Schlachtfeld,  und so wohlhabend fühlt sie sich nie als  in Friedenszeiten", betonte Stadt-Bürgermeister François Grosdidier.

Die Referenten verglichen Grenzen mit geographischer Trennungen, aber auch mit Trennungen zwischen Geschlechtern, Kulturen und Räumen, sowie mit gewalttätigen, aber interessanten Orten.

Leonora Miano

© Université de Lorraine

"Die Grenze betrachte ich nicht nur als Trennung, sondern auch als Chance für die Vielseitigkeit. Es ist unmöglich, sie zu wählen, aber es ist möglich, sie zu beschwichtigen. Es mag sein, wir seien nicht alle derselben Meinung, aber wir werden einen Weg finden müssen, auf einem bedrohten Planeten zusammenzuleben", sagte Leonora Miano.

In einem Gebiet, das sich über vier Länder erstreckt, ist die Dichte an Universitäten und Forschern so groß, dass die Universität der Großregion und ihre sechs Komponenten (1) die Border Studies ins Leben gerufen haben. Dieses europäische Ressourcen- und Kompetenzzentrum für Grenzstudien mobilisiert 80 Forscher um interdisziplinäre Themen.

Frederique Seidel

© DR

"Der Frontiers-Literaturpreis ermöglicht es den Wissenschaftlern, über den eigenen Kreis hinauszugehen und das Spektrum der von ihnen erarbeiteten Themen zu erweitern. Denn die Frage der Grenzen, seien sie bürgerlich, politisch oder akademisch, stellt uns Fragen", meint Frédérique Seidel, Generalsekretärin der Universität der Großregion.

Nach dieser von den  lothringischen Mitgliedern der Uni GR unterstützten Auktakt-Ausgabe plant der kommende Frontières Preis seine Auswahl an in mehreren Sprachen geschriebenen Bücher zu erweitern.

(1) Zur Universität der Großregion gehören die Universitäten Kaiserslautern, Saarland und Trier in Deutschland, Lüttich in Belgien, Luxemburg und Lothringen.

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