Oberrhein - Großregion

Sonia Lavadinho

„Ein Patchwork von Ländern, dessen Vielfalt großen Mehrwert bringt“

Sonia Lavadinho, Gründerin des Schweizer Stadtplanungsbüros Bfluid, spezialisiert für Vorausschau und Sachverstand im Bereich Mobilität und territoriale Entwicklung, steuert seit April 2020 die vom Metropole du Grand Nancy eingeführte Befragung über Mobilität. Als in Kanada, Lateinamerika und Europa anerkannte Expertin, wirft sie ihren anthropologischen Blick auf die Grenzgebiete der Großregion und des Oberrheins.

Sonia Lavadinho

Die Grenzen sind fruchtbar

Das Rheingebiet ist seit der Altsteinzeit der größte Korridor in Europa. Es weist auch heute noch eine der größten Konzentrationen von Menschen- und Güterverkehr auf. In Bezug auf die Mobilität stellt ihm die Transversalität sein Hauptproblem : Es ist einfacher, flussabwärts zu reisen als den Fluss zu überqueren, der als Grenze fungiert. Heutzutage begünstigt der Patchwork von Ländern, aus denen diese Gebiete bestehen, keine gute Regierungsführung, aber diese Vielfalt hat großen Mehrwert hervorgebracht. Von Norden nach Süden konnten Stadtstaaten wie Luxemburg oder Basel ihre Lage an den Grenzen, die immer fruchtbare Räume sind, ausnutzen.

Verankerung in seinen Unterschieden

Die Territorien, aus denen diese Gebiete bestehen, sind grundlegend verschieden. Die Herausforderung besteht nicht darin, sie zusammenzunähen, sondern sie zu verbinden, ohne die Unterschiede auszuweichen. Die Agglomeration Basel bietet ein perfektes Beispiel an durch ihre dreißig Jahren lang  gut gesteuerte dreiseitige Zusammenarbeit. Die Beziehungen sind komplex, aber die Grenzen sind fließend und die Kontinuität des Transports ist gewährleistet, auch in Bezug auf die Preisgestaltung. Dieses Beispiel inspiriert nun den Ballungsraum Straßburg-Kehl. An der luxemburgischen Grenze dagegen ist die Integration weit weniger fortgeschritten.

Mittelgroße Städte verbinden

Lange Zeit hat Frankreich nur darüber nachgedacht, wie man Metropolen verbinden kann. In der Schweiz hingegen zielt die Raumordnungsstrategie darauf ab, mittelgroße Städte und Netzwerke zu ermöglichen. Politiker aus den Vogesen organisieren Studienreisen in die Schweiz, um sich von diesem Modell inspirieren zu lassen, das eine Verbindung von einer Stadt zur nächsten ohne Verkehrspause ermöglicht. In der Schweiz, in Deutschland und in den Niederlanden sind viele Gebiete ausreichend vernetzt, um zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar zu werden, ohne ein Auto zu benötigen. In Frankreich ist der östliche Korridor recht gut angebunden, aber Auto besitzt nimmt noch den größten Platz. Es gibt kein Netz von "weißen" Straßen, die für Radfahrer, Fußgänger, Reiter oder landwirtschaftliche Fahrzeuge reserviert sind. Anwohner können dorthin fahren, aber Durchgangsverkehr ist nicht erlaubt.

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