Oberrhein

Die elsässische Maut aus deutscher Sicht

Die vom französischen Parlament letzte Woche genehmigte künftige elsässische Straßen-Ökosteuer ist in den Grenzgebieten Deutschlands kein Anlass zur Besorgnis. Die Transportbranche befürchtet keine massive Rückverlagerung des Verkehrs auf die deutsche Seite, wenn das elsässische Straßennetz gebührenpflichtig wird.

 

Trafic camions

Mit der Ökosteuer, die in drei Jahren von der Collectivité Européenne d'Alsace (CEA) eingeführt werden könnte, wird das Ungleichgewicht zwischen der kostenlosen Straßennutzung auf der einen - französischen - Seite und der kostenpflichtigen auf der anderen Seite geringer werden oder sogar verschwinden. 2005 hatte Deutschland die Lkw-Maut auf Bundesautobahnen eingeführt, was eine Verkehrsverlagerung von deutschen Lkw auf die A 35 im Elsass zur Folge hatte. Die Umweltorganisation Alsace Nature spricht von 2000 zusätzlichen Lkw pro Tag auf den Hauptverkehrsstraßen im Elsass. Kann es daher zu einem Bumerang-Effekt kommen?

Der kürzeste Weg

Am Anfang nicht, antworten die Transport- und Logistikfachleute, die zwischen Lörrach und Karlsruhe entlang der Autobahn A 5 angesiedelt sind. Ihrer Meinung nach sind die gewohnten Routen fest verankert und lassen sich nicht so leicht ändern.

Tobias Lang BGL

© BGL

"In den Gesamtkosten für die Lkw, die aufgrund der Maut in Deutschland ohnehin zahlen, dürfte die zusätzliche Belastung durch eine elsässische Maut kaum ins Gewicht fallen. Entscheidendes Kriterium bleibt die Route: Sie muss so kurz, so schnell und so wenig überlastet wie möglich sein", sagt Tobias Lang, Leiter der badischen Niederlassung des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik (BGL).

Keine Rückverlagerung erwartet

Ein "Gegen-Verschiebung", also eine massenhafte Rückverlagerung von Lkw von der A 35 auf die A5, hält der BGL daher für unwahrscheinlich. Der BGL ist der Ansicht, dass die seit 2005 erfolgte Verlagerung von Deutschland nach Frankreich begrenzt geblieben ist, was wiederum auf pragmatische Fragen der optimalen Entfernung zurückzuführen ist. "Wenn Sie von der deutschen Seite aus nach Frankfurt oder in den Osten fahren, macht es keinen Sinn, durch das Elsass zu fahren. Es kann hingegen sinnvoller sein, durch das Elsass zu fahren, um ins Saarland oder weiter in das Rheinische Ballungsraum Köln-Duisburg zu gelangen", ergänzt Tobias Lang.

Die Qualität der Infrastruktur scheint für den Verband eher ein Grund für eine mögliche Änderung der Gewohnheiten zu sein. Mehr als die elsässische Ökosteuer ist der Zustand der A 5 zwischen Basel und Karlsruhe Anlass zur Sorge: "Der Abschnitt ist überlastet und ein Ausbau auf zweimal drei Spuren ist nicht in Sicht. Wenn die Situation anhält, könnten sich die Strecken verschieben", so Tobias Lang.

Unruhe in Lothringen

Die elsässische Maut erhielt am 16. November grünes Licht durch die Ratifizierung der Regierungsverordnung vom Mai 2021 durch den Senat, die die CEA zur Einführung der Steuer ermächtigte. Sie wird für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auf dem Straßen- und Autobahnnetz der CEA gelten, wo das tägliche Verkehrsaufkommen 900 Lkw übersteigt. Sie wird nach der der Schadstoffemissionskategorie des betreffenden Fahrzeugs gestaffelt. Es liegt nun an der CEA, das Datum - es wird von Ende 2024 gesprochen -, die Höhe und den genauen Geltungsraum festzulegen.

Die Ausweitung einer solchen Maut auf die gesamte Region Grand Est wurde vom Senat nicht übernommen. Angesichts des Risikos einer Verkehrsverlagerung auf die bereits stark überlastete lothringische A 31 wird sie von lothringischen Parlamentariern und dem Präsidenten der Region, Jean Rottner befürwortet.

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