Wallonien

Spazieren, bewundern, nachdenken: die neue Trilogie des Bois du Cazier in Charleroi

Die Halden weisen eine schöne Artenvielfalt auf, die sanierten Gebäude beherbergen unter anderem ein außergewöhnliches Glasmuseum und den Espace du 8 août 1956, der daran erinnert, dass der Bois du Cazier eine der schlimmsten Bergbaukatastrophen Europas erlebte. Dieser riesige Komplex, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist heute ein ebenso beliebter wie belebter Ort.

Bois du Cazier Charleroi

Die beiden großen metallischen Fördertürme überragen einen sanierten architektonischen Komplex, der von einem großen Waldgebiet umgeben ist, in dem eine Brücke zwei der drei Halden miteinander verbindet. Der Bois du Cazier, ein ehemaliges Kohlebergwerk in Marcinelle, einem Vorort von Charleroi, feiert dieses Jahr ein dreifaches Jubiläum: 10 Jahre Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe als eine der wichtigsten Bergbaustätten Walloniens, 200 Jahre Bergbaukonzession und das 20-jährige Bestehen. In der Zwischenzeit ist es dem Bois du Cazier gelungen, die Vergangenheit hinter sich zulassen, um die reiche Geschichte von Kohle, Eisen und Glas nachzuzeichnen, die Bergleute zu ehren, unter ihnen die 262 Kumpel aus zwölf verschiedenen Nationen, die bei dem tragischen Brand 1956 als eine der schlimmsten Bergbaukatastrophen Europas ihr Leben verloren. Zudem ist es gelungen, die Halden durch die dort entstandene Artenvielfalt aufzuwerten.

Den Bois du Cazier in einem Satz zusammenzufassen ist nicht einfach, denn der Ort ist in vielerlei Hinsicht ein Symbol. Je nach Lust und Laune kann man hier Museen, Orientierungspfade, Escape Games, Kunstwerke, die Broschüre des kleinen Bergmanns oder des Designers, Bücher und Comics im Shop, ein Restaurant usw. entdecken. In der Zeit vor der Pandemie zählte der Bois du Cazier bis zu 60.000 Besucher pro Jahr.

"Tutti cadaveri!"

Es gibt aber auch ein absolutes Muss: angefangen mit dem Espace du 8 août 1956 in einem der Räume der Fördermaschine, der gerade renoviert wurde. Die Worte "Tutti cadaveri!", die ein Mitglied des Bergungsteams am letzten Tag der Suche auf Italienisch sagte, gingen um die Welt. Im Besucherzentrum wird das Drama, das vor allem in Belgien und Italien noch immer in Erinnerung ist, stündlich dokumentiert. Es erweitert den Blick auf die Sicherheit am Arbeitsplatz und das Migrationsphänomen. 

Ingenieure und Techniker sind begeistert

Weitere symbolträchtige Gebäude sind die Duschen und die Waschkaue (in dem die Bergleute ihre Kleidung aufhängten), in denen das Industriemuseum untergebracht ist. Das Land um Charleroi verdankt seinen Aufstieg der industriellen Revolution, die von Glashütten und der Stahlindustrie getragen wurde und Ingenieure und Techniker anzog, die sich von neuen Technologien begeistern ließen. Einige imposante Ausstellungsstücke, darunter eine Zweizylinder-Dampfmaschine, und ein szenografisches Programm zeichnen die wichtigsten Etappen dieser Entwicklung nach.

Bois du Cazier Charleroi

In einem der renovierten Gebäude befindet sich das Glasmuseum und bis Anfang September eine Sonderausstellung des französischen Designers Jean-Baptiste Sibertin-Blanc. ©Henry Vincent

Von Gallé zu den Mykenern (und nicht umgekehrt)

Im Bois du Cazier wird gerne daran erinnert, wie sehr Kohle, Eisen und Glas eine Trilogie bilden. Man ist regelrecht begeistert, wenn man die ehemalige Lampisterie betritt. Hier stellt das Glasmuseum, eines der am höchsten bewerteten Museen Europas, rund 500 Exponate in einer bewusst umgekehrten chronologischen Reihenfolge aus. Vom Studio Glas bis zur Vase der Cristalleries du Val Saint Lambert oder der von Emile Gallé signierten Schale, von Böhmen oder England bis nach Venedig, geht der Besucher in der Zeit zurück bis zu den Anfängen des Glases. So fädelten die Mykener (14.-12. Jahrhundert v. Chr.) echte Perlen auf, die hellblau und rechteckig waren. Nach derselben Logik beginnt man mit der Sonderausstellung des französischen Designers Jean-Baptiste Sibertin-Blanc, der unter anderem die Kreation bei Daum leitete ("Paréidolies", bis zum 4. September).

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