Wallonien

In Han sur Lesse hat der Fluss Wunder geformt

Im Laufe der Jahrtausende hat der Fluss Lesse den kleinen Hügel von Han in der Provinz Namur durch und durch ausgehöhlt. Das Wasser hat phänomenale Geflechte aus Stalaktiten und Stalagmiten geformt. In 125 Jahren hat es auch eine kleine Touristenstadt geformt.

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An diesem sonnigen Wochenende im Juni sind die zehn Hotels und Ferienwohnungen in Han-sur-Lesse fast alle ausgebucht. Touristen aus den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, aber vor allem aus Belgien strömten in die Höhlen, die ihnen zwei Jahre lang wegen Corona-Einschränkungen vorenthalten worden waren. Wie in den Kurorten verdreifacht sich die Einwohnerzahl des 1000-Seelen-Dorfes normalerweise während der Sommersaison. Seit mehr als einem Jahrhundert - Baron Edouard de Spandl erwarb den Ort 1856 und seine fünf Kinder gründeten 1895 die Aktiengesellschaft der Höhlen von Han - ist das Dorf ein Anziehungspunkt in der Provinz Namur und hat den Charakter des Wilden Westens angenommen. In Han-sur-Lesse gibt es keinen Platz, keinen Kiosk und kein Kasino, dafür aber Bars, Restaurants und Geschäfte entlang der Hauptstraße, einen kleinen Zug und hinter den hohen Mauern des Fahrkartenschalters eine weite Wiese, die zu den Höhlen führt. Die Besucher sind keine Kurgäste, sondern sportliche Familien, die ihren Kindern die Pracht des Erdinneren zeigen wollen. 

Eine phantasmagorische Welt

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@ Pascale Braun

Seit eh und je war der Höhleneingang ein Ort der Verehrung, wovon die in seiner Nähe gefundenen Überreste zeugen. Im 21. Jahrhundert wird der Besucher von dem Schwindelgefühl ergriffen, das vor zehn Jahrtausenden wahrscheinlich auch die ersten Bewohner des Tals ergriffen hat. Die Lesse hat sich mit ihrem sauren Wasser geduldig durch den Kalkstein gefressen und ein fantastisches Universum geschaffen. Die Menschen mussten viel Mut aufbringen, um diese 14 Kilometer langen Stollen zu erforschen, zu markieren und zu beleuchten. Heute sind sie für 36 Euro zum Vollpreis zugänglich, Ton- und Lichtmapping inbegriffen.

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@ Pascale Braun

"Jede Gruppe ist anders und die Führungen sind nie gleich. Die Höhlen von Han sind wie ein großes Buch, von dem niemand behaupten kann, alles zu wissen", sagt Antoine Smet.

In den sechs Jahren seines Dienstes hat der 22-jährige Führer bereits 680 Besuche hinter sich. Er hat Niederländisch gelernt, um zweisprachig bis zu fünf Führungen pro Tag durchzuführen, ohne jemals müde zu werden.

Freuden des Lichts

Das Han-Gebiet, das als Unesco Global Geo Park ausgezeichnet wurde, hat seit seiner Eröffnung 23 Millionen Besucher verzeichnet, von denen einige jedes Jahr wiederkommen, um das unterirdische Spektakel zu genießen. Das Gewirr aus schwarzen, grauen und cremefarbenen Strömen glitzert im Licht der LEDs. Auf dem zwei Kilometer langen Touristenpfad erinnern die durchscheinenden Gipfel, die mit Kalkspitzen besetzten Kuppeln und die jahrtausendealten Erdrutsche mal an Alpengipfel, mal an urzeitliche Tempel oder an Vulkane, deren Eruptionen eingefroren sind. Die Lesse fließt ruhig zwischen den Wänden, die sie immer weiter aushöhlt. Einige Fische haben Gefallen an der unbeweglichen Tiefe gefunden und überleben dort entpigmentiert. Andere kommen nur vorbei, bevor sie die Freuden des Lichts wiederfinden. Die Besucher tauchen wieder auf und sind von der Natur beeindruckt.

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