Die 50 Jahre alten Schleusen von Gambsheim erhalten eine Verjüngungskur
Voies Navigables de France setzt die Sanierung dieses unverzichtbaren Durchgangspunkts für Handelsschiffe in Richtung Rotterdam über Deutschland fort. Das Rhein-Alarm- und Schifffahrtsinformationszentrum von Gambsheim (Caring) wird neu gebaut und wird künftig Besucher von beiden Ufern unter besseren Bedingungen empfangen.

Die großen Modernisierungsarbeiten an Frankreichs größtem Binnenhafen haben wieder begonnen. Fast 20 Millionen Tonnen Fracht (genau 16,4 Millionen im Jahr 2024) fahren jedes Jahr an dieser Infrastruktur, die 270 Meter lang und 24 Meter breit ist, in Gambsheim. Sie bildet eines der letzten Bauwerke, die Schiffe – darunter etwa 60 Handelsschiffe – passieren müssen, bevor sie den natürlichen Verlauf des Rheins bis zu seiner Mündung in Rotterdam ohne weitere Hindernisse befahren können.
Einige Kilometer weiter nördlich müssen sie noch die Schleuse von Iffezheim auf der deutschen Seite passieren, was Gambsheim eine stark binationale Funktion verleiht. Voies Navigables de France (VNF), der Betreiber des französischen Wasserstraßennetzes, koordiniert sich hier mit den deutschen Partnern, insbesondere mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein, das dem Bundesministerium für Verkehr untersteht.

© Mathieu Noyer
Eine renovierte Schleusenkammer
Das Schleusensystem von Gambsheim ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt und muss saniert werden. Die im Februar von VNF begonnene Bauphase konzentriert sich auf die Sanierung der östlichen Schleusenkammer, nach denselben Prinzipien und mit einer Dauer von 18 Monaten, die bereits für die Sanierung der westlichen Kammer von Dezember 2022 bis Juni 2024 angewendet wurden. Ziel ist es, mechanische Komponenten wie Winden, Schienen und Ventile auszutauschen sowie die Schleusentore zu restaurieren, indem sie mit einem Kran aus ihrer gewohnten Position entfernt, instand gesetzt und anschließend wieder eingesetzt werden. Wegen der Sanierung fahren nur halb so viele Schiffe, was viel Organisation erfordert, um die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten.
Das 36,4 Millionen Euro teure Sanierungsprojekt endet im Sommer 2026. VNF erhält für dieses Projekt finanzielle Unterstützung von der Region Grand Est sowie von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Connecting Europe Facility“ (CEF). Die Förderfähigkeit dieses Projekts steht außer Frage, angesichts der bedeutenden Rolle, die Gambsheim für den internationalen Wassertransport spielt.
Ein grenzüberschreitendes Alarmzentrum
Diese grenzüberschreitende Funktion zeigt sich auch in der Informations- und Überwachungsaufgabe des Caring-Zentrums (Centre d’Alerte Rhénan d’Information Nautiques de Gambsheim), das sich direkt über den Schleusen befindet. Rund um die Uhr und jeden Tag informiert sein vierköpfiges Team die Nutzer des Rheins über die französische Strecke des Flusses: Navigationsempfehlungen, insbesondere zur Wassertiefe basierend auf Messdaten aus Basel, Hochwasserwarnungen und Notfallmeldungen bei Unfällen.
Das Caring-Zentrum wurde als Reaktion auf eine Umweltkatastrophe gegründet: Die Verschmutzung durch den Brand des Chemiewerks Sandoz in Basel Ende 1986, die damals unter großem Zeitdruck bewältigt werden musste, machte die Notwendigkeit einer permanenten Koordinierungsstelle deutlich.
Die Daten des Caring werden zwischen den zuständigen Behörden der vier durchquerten Staaten (Schweiz, Frankreich, Deutschland, Niederlande) und Belgien geteilt, was sehr wichtig für die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt ist.

Bild des kommenden Gebäudes des Caring und dessen Besichtigungsplatfform. © DWPA Architectes
Ein neuer Beobachtungsposten
Auch das derzeitige Gebäude des Caring-Zentrums, das wie ein Kontrollturm gestaltet ist, wird jedes Jahr älter. Daher ist ein Neubau des erweiterten „VNF-Caring-Zentrums“ geplant: Ein dreistöckiges Gebäude, das neben einer zentralisierten Leitstelle auch Büros von Voies Navigables de France beherbergen wird. Auf dem Dach entsteht eine Plattform, von der aus Touristen die Bewegungen der Schiffe in der Schleuse beobachten können.

Vincent Humbert, Projektleiter in der Gebietsdirektion Straßburg des VNF. © VNF
„Die Schleusenmanöver ziehen immer viele Zuschauer an. Bisher gab es jedoch keine sicheren Bedingungen für parkende Autos oder Fußgänger. Die Besucher von beiden Seiten des Rheins werden das Spektakel künftig unter besseren Bedingungen genießen können“, erklärt Vincent Humbert, Projektleiter bei VNF Straßburg. Die Mitarbeiter des Caring werden Anfang 2026 starten, bis die verschiedenen IT- und Kommunikationsgeräte in das Gebäude migriert sind.
© André Faber