Cosan: Ein widerstandsfähiges Gesundheitssystem erfordert Zusammenarbeit
Während die Welle der Solidarität, die man zu Beginn der Covid-Krise feststellen konnte, langsam am abflauen ist, beeilen sich die 35 Partner des Interreg-Projekts „Cosan“, dauerhafte Rechtsgrundlagen und konkrete Instrumente zu schaffen, um zu verhindern, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich wieder in ihre Routine zurückfällt.

Im Frühjahr 2020 mussten keine Abkommen ausgehandelt und keine Rahmenbedingungen festgelegt werden, um französische Covid-Patienten in den Grenzkrankenhäusern der Großregion aufzunehmen. Die Gesundheitskrise hatte den akuten Bedarf aufgezeigt und die spontane Solidarität hatte Abhilfe geschaffen. Das Interreg-Projekt „Cosan“, das vor Beginn der Pandemie eingerichtet wurde und vom Europäischen Observatorium für grenzüberschreitende Gesundheit (OEST) geleitet wird, konzentriert sich auf die Zugänglichkeit zur gemeindenahen Gesundheitsversorgung für die Grenzbevölkerung in der Großregion. Das Projekt wurde im Februar 2020 beschlossen und wird in einem Jahr enden. Die neun Partnerorganisationen, die von 25 methodischen Akteuren unterstützt werden, wollen aus der Krise lernen und aus den festgestellten Schwierigkeiten Punkte herausarbeiten, um die Zusammenarbeit zu beschleunigen.

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"Nach dem emotionalen Schock fanden wir die üblichen, nicht immer sehr positiven Worte wieder. Wir brauchten eine Rechtsgrundlage und konkrete Projekte, um die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen voranzutreiben, deren Notwendigkeit sich klar gezeigt hat", erklärt Henri Lewalle, Koordinator des OEST und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit im Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrat der Großregion.
Appell an die Politiker
Am 12. März 2021, ein Jahr nach Beginn der Pandemie, organisierten die Cosan-Partner ein halb physisches, halb virtuelles Treffen, um den großregionalen Politikern die rechtlichen Mängel der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen darzulegen. Es gibt Vereinbarungen zwischen Belgien und Frankreich, Frankreich und Deutschland sowie Frankreich und Luxemburg, die jedoch zwischen Deutschland und Luxemburg, Belgien und Deutschland sowie Luxemburg und Belgien noch formalisiert werden müssen. Im August 2021 veröffentlichte der belgisch-luxemburgische Gaïchel-Gipfel eine politische Absichtserklärung. Aus dieser Erklärung wurde ein Vorschlag für ein Rahmenabkommen formuliert, das auf belgischer Seite bereits angenommen wurde und auf luxemburgischer Seite derzeit validiert wird.
Schnittstelle der Krankenhäuser
Auf krankenhausübergreifender Ebene entschied sich Cosan dafür, Synergieeffekte zwischen dem Centre Hospitalier Emile Mayrisch (Chem) in Esh-sur-Alzette in Luxemburg, dem Hôpital meurthe-et-mosellan in Mont-saint-Martin und dem Hôpital d'Arlon in Wallonien zu nutzen. "Die Studien zeigen, dass in jedem unserer Grenzräume das Verhältnis von Ärzten pro Einwohner unter dem Durchschnitt der Referenzregionen oder -länder liegt. Da in Zukunft noch weniger finanzielle Mittel für das Gesundheitswesen zur Verfügung stehen werden, können wir auch schon heute die Einrichtungen und Kompetenzen, die auf beiden Seiten der Grenzen vorhanden sind, verstärken", meint Henri Lewalle.
Die Grenzkrankenhäuser, von denen einige bereits seit langem zusammenarbeiten, schließen sich kurz, um den Patienten in den Grenzregionen optimale Ausrüstungen oder die Behandlung durch "hochspezialisierte" Ärzte zu bieten, denen ein Krankenhaus allein keine Vollzeitstelle anbieten könnte.
Der Puls der Großregion
Cosan will auch die grenzüberschreitende Notfallhilfe erleichtern. Eine Isochronenkartografie ermöglicht es, die Zeiten für eine geeignete Verlegung auf dem Landweg oder per Hubschrauber herauszufinden, um die Patienten in der nächstgelegenen Einrichtung zu hospitalisieren, wobei die Grenzen kein Hindernis darstellen. Dieses System, das bereits zwischen dem Saarland und der Mosel und zwischen dem Norden Lothringens und Belgien erprobt wurde, hat in schweren Fällen, in denen jede Minute zählt, Leben gerettet.
Das Projekt hat auch den Grundstein für epidemiologische und sozioökonomische Indikatoren gelegt, die den Puls der Großregion messen werden. Ein Netz von Korrespondenten in den nationalen statistischen Ämtern soll ein grenzüberschreitendes Gesundheitsinstitut nach dem Vorbild der grenzüberschreitenden Beobachtungsstellen für Beschäftigung entstehen lassen. Ein neues Interreg-Projekt könnte diese Plattform dauerhaft etablieren.
© Cosan.