Oberrhein - Großregion

Jenny Lippmann, Redaktionsleiterin von szenik

"In der  grenzüberschreitenden Region Grand Est sind die darstellenden Künste an einem Wendepunkt"

Jenny Lippmann

Diese zweisprachige deutsch-französische Plattform, die durch einen Magazinteil ergänzt wird, ist das Ergebnis eines Interreg-Projekts und berichtet über Veranstaltungen & Konzerte (in einem Gebiet, das von Brüssel bis Zürich reicht). Begeistert beschreibt die junge Deutsche den Reichtum dieser großen grenzüberschreitenden Kulturszene.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Veranstaltungen aus, die auf szenik präsentiert werden?

Jenny Lippmann szenik Wir geben regionalen Produktionen und Koproduktionen zwischen den grenzüberschreitenden Spielstätten einen Vorrang. Die Auswahl wird von einem Team getroffen, das sich sehr für die darstellenden Künste begeistert: Die drei ständigen Mitarbeiter der Website, aber auch freiwillige KorrespondentInnen, StudentInnen oder ehemalige JournalistInnen, die Veranstaltungen besuchen und ihre Freude an ihren Entdeckungen teilen möchten. Unser Ziel ist es, unsere LeserInnen zu einem regen Austausch einzuladen.

Wir sind auch in Kontakt mit Theaterhäusern & Festivals. Mit mehreren von ihnen haben wir Medienpartnerschaften abgeschlossen. Diese Kooperationen, sowie Fördergelder, die wir von der Region Grand Est, der Drac du Grand Est, der Stadt Straßburg und der Rheinischen Kulturstiftung erhalten, haben es uns ermöglicht, szenik über das Interreg-Projekt hinaus fortzuführen, das 2015 endete. Die Schaffung der Region Grand Est hat unser Gebiet erheblich erweitert. In dieser grenzüberschreitenden Region befinden sich die darstellenden Künste an einem Wendepunkt. Die Finanzierung von szenik ist nicht immer einfach, aber diese neue Strukturierung gibt uns Grund zum Optimismus, da sie es uns ermöglicht, neue Kooperationen zu schließen und Projekte zu erarbeiten.

Sie sind die Zeugen des kulturellen Lebens in einem Raum, der vier Länder umspannt. Erscheint Ihnen diese grenzüberschreitende Szene zersplittert oder auf dem Weg zur Vereinheitlichung?

Das ist eine Frage, der wir uns jeden Tag stellen. Wir sehen, wie sich diese Thematik in den Programmen und Spielzeiten beginnt widerzuspiegeln. Die Zusammenarbeit zwischen den Häusern findet allmählich statt, auch wenn es natürlich seine Zeit braucht, aufgrund der unterschiedlichen Produktionssysteme & Kulturpolitiken. Zu erkennen sind zum Beispiel die Annäherungen und Kooperationen zwischen dem Carreau, Scène nationale de Forbach et de l’Est mosellan in Forbach und dem Staatstheater Saarbrücken, dem Théâtre de la Manufacture in Nancy und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe (im Rahmen des Ring-Festivals) oder dem Theater Freiburg, das seit dieser Spielzeit belgischen und französischen KünstlerInnen einen Schwerpunkt widmet. Wir erleben das Bestreben von Kulturschaffenden, (Ko)-Produktionen & Tourneen in der Region Grand Est und über die Grenzen hinaus besser zu strukturieren.

Begleitet die Öffentlichkeit diese Veränderung?

Dafür braucht es den Willen eines engagierten Teams. Es gibt bereits Austausch-Projekte zwischen grenzüberscheitenden Bühnen; Bus-Shuttles oder gemeinsame Abonnemente werden ebenso von manchen Theaterhäusern bereitgestellt.

Das Format der Festivals erleichtert natürlich die Mobilität des Publikums: Ein mehrtägiges Festival ist attraktiver als eine einzelne Vorstellung, die zum Beispiel an einem Wochentag in Brüssel stattfindet. Ob man nun in Straßburg, Stuttgart oder Nancy lebt – nach Brüssel fahren, ist kein Problem. Nur stellt sich die Frage der Rückfahrt. Das noch nicht solide und vorhandene Netz der öffentlichen Verkehrsmittel schränkt da leider den kulturellen Austausch ein.

Was sind die wichtigsten kulturellen Veranstaltungen in der Großregion?

Es gibt nicht das eine Flaggschiff-Event, sondern eine Vielzahl von Veranstaltungen, die es auch erlauben, die Besonderheiten der Regionen oder Städte zu entdecken.   

Wir sind immer wieder erstaunt über die Kreativität der Kulturschaffenden & KünstlerInnen in der grenzüberschreitenden Region Grand Est. Was auch immer Ihr Geschmack ist, jeder kann eine Veranstaltung finden, die ihm gefällt. Unser Club szenik bietet seinen Mitgliedern Einladungen zu mehreren Veranstaltungsorten in der grenzüberschreitenden Region.

Daran finde ich eines sonders schön: Wenn ein Bewohner aus Reims zu einer Veranstaltung nach Karlsruhe eingeladen wird, teilt er oder sie die gleichen Emotionen mit den deutschen TeilnehmerInen, und sie schaffen gemeinsame Erinnerungen, ohne dass die Sprache ein Hindernis darstellt. Darstellende Kunst kann solche besonderen Momente schaffen. In diesem Bereich bietet unsere Region mehr Vielfalt als andere und es wäre schade, diese nicht mit Freude auszuleben.

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