Grossregion

Künstliche Intelligenz versteht grenzüberschreitende Stärken

Das deutsch-französische Unternehmen natif.ai erhöht um ein Vielfaches die Geschwindigkeit bei der Bearbeitung von Geschäftsdokumenten, während das luxemburgische Unternehmen Tetrao internationale Daten über grüne Finanzen untersucht. Beide Startup-Unternehmen haben von einem dichten Universitätsnetz, von umfangreichen privaten Investitionen und von der günstigen Grenzlage profitiert.

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Natif.ai und Tetrao kennen sich nicht, aber sie sind sich sehr ähnlich. Beide Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz für kommerzielle und finanzielle Anwendungen ein, indem sie sie vom maschinellen Lernen zum automatischen Verstehen weiterentwickeln. Natif.ai, 2019 auf dem Campus der Universität des Saarlandes gegründet, geht direkt aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI in Saarbrücken hervor. Tetrao wurde 2014 von Christian Gillot, einem an der Universität Lothringen ausgebildeten Doktor der Philosophie und Mathematiker, gegründet und stützt sich nach wie vor auf den Pool des Forschungszentrums Inria Nancy und seines Lothringer Labors für Forschung in Informatik und ihren Anwendungen (Loria). Die beiden Unternehmen haben sich nach Frankreich begeben, um dort Märkte für das eine und Arbeitskräfte für das andere Unternehmen zu finden.
 

natif.ai beflügelt die Dokumentenverarbeitung

Das von einem deutsch-französischen Team gegründete Unternehmen natif.ai hat gelernt, die Dokumentenverarbeitung in Unternehmen zu lesen und zu verstehen, um wertvolle Zeit zu sparen. Die kognitive Dokumentenverarbeitung kann zum Beispiel 6.000 Rechnungen in einer Stunde bearbeiten, was der Arbeit eines Angestellten in einem Jahr entspricht.

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Die natif.ai-Gründer (v.l.) Johannes Korves, Manuel Zapp, Berenger Laurent und Christophe Hocquet. © nativ.ai

"Es wird eine Verlagerung von digitalen zu kognitiven Unternehmen geben", sagt Manuel Zapp, technischer Leiter des vierköpfigen Gründerteams. Nachdem das Unternehmen, das mittlerweile 25 Mitarbeiter beschäftigt, bereits im September 2020 von einem Fundraising des High-Tech-Gründerfonds profitiert hatte, konnte Anfang des Jahres der Berliner Investor 468 Capital gewonnen werden.

Der erfahrene Risikokapitalgeber, der ebenfalls im Silicon Valley von San Francisco ansässig ist, macht keine Angaben zur Höhe seines Beitrags, aber sein Scheck beläuft sich auf einen siebenstelligen Betrag.

Tetrao scannt den grünen Finanzplaneten

Ursprünglich war Tetrao darauf spezialisiert, die manuellen Aufgaben bei der Eröffnung eines Kontos zu automatisieren - Verbindung zu Websites, Öffnen von Seiten, Herunterladen von Dokumenten - und Unstimmigkeiten in den institutionellen Daten von Banken aufzuspüren, doch inzwischen hat sich Tetrao auf grüne Finanzen spezialisiert. Seine Algorithmen sammeln nun Informationen über grüne Anleihen und Investmentfonds in allen Sprachen der Welt.

Christian Gillot

DR

"Künstliche Intelligenz sorgt für Effizienz, wir für Umfassendes. Unsere Lösungen stellen eine riesige Datenbank dar, deren Interpretation jedoch nach wie vor 'manuell' erfolgt: In Luxemburg hat sich unser 30-köpfiges Team auf den Einsatz von automatischen Übersetzern und das Verständnis von Green Finance spezialisiert", erklärt Christian Gillot.

Überzeugt von der Relevanz der Tetrao-Technologien erwarb die Luxemburger Börse im Januar 2021 eine Beteiligung von 22,8 Prozent an dem Unternehmen, dessen Umsatz geheim bleibt. Seit dem vergangenen Frühjahr ist der Vermittler Fundsquare für die weltweite Vermarktung der Tetrao-Lösungen zuständig.

2018 gründete Alain Gillot eine französische Niederlassung in Dun-sur-Meuse (750 Einwohner im Osten Frankreichs), hundert Kilometer von der Finanzmetropole Luxemburg-Stadt entfernt, mit sieben Mitarbeitern, die sich ausschließlich der Computer-"Ausbildung" widmen. Diese zeitaufwändige und sorgfältige Arbeit wird im Stillen und in Teams durchgeführt. "Der ländliche Raum ist ein Reservoir an unterbeschäftigten Talenten. In der Stadt arbeiten wir mit Teams des Luxembourg Institute of Science and Technology (List) und der Universität Lothringen zusammen. Es liegt im Interesse der Netzwerke der Großregion, sich zu entwickeln und zu strukturieren, um dem globalen Wettbewerb im Bereich der Künstlichen Intelligenz standzuhalten", sagt  Alain Gillot.

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