Saarbrücken - Grossregion

Jugendliche jäten das Gestapo-Lager in Neue Bremm und pflegen die Erinnerung daran

Am Freitag werden 120 Jugendliche aus der Großregion in Saarbrücken an einer ernsten und geselligen "Camp-Baustelle" teilnehmen. Durch die Pflege der Gedenkstätte des Gestapo-Lagers Neue Bremm in der Nähe der französischen Grenze werden sie die Erinnerung an einen unheimlichen und wenig bekannten Ort bewahren.

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Das Gruppenfoto aus dem Jahr 2021. © Landesjugendring Saar, Max Karbach.

Die Existenz des Gestapo-Lagers Neue Bremm ist sowohl im Saarland als auch in Lothringen weitgehend unbekannt. Eine Handvoll Zeitzeugen, Akademiker und Aktivisten haben die Erinnerung an den Ort wachgehalten, bevor das Projekt "Buddeln und Bilden" 2018 Jugendliche aus der Großregion einbezieht. Das vom Landesjugendring Saar und dem EuRegio  SaarLorLux+ Verein für die grenzüberschreitende Seite organisierte Workcamp findet am 6. und 7. Mai zum fünften Mal statt.

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DR

"Dieser symbolträchtige Ort, an dem zwischen 1943 und 1944 20.000 Menschen, darunter viele Franzosen und Luxemburger, inhaftiert waren, verweist auf eine gemeinsame Erinnerung. Er wird heute zu einem Ort der Weitergabe von Jugendlichen an Jugendliche. Die französischen und deutschen Gymnasiasten, die an der Pflege des Geländes teilnehmen werden, werden von überwiegend saarländischen Studenten geführt und betreut, die eine Ausbildung absolviert haben, um zu lernen und weiterzugeben, was dort geschehen ist", sagt Laurence Ball, Geschäftsführerin des Vereins EuRegio  SaarLorLux+.

Gewöhnliche Folterer

Nach Kriegsende war die Versuchung groß, mit einer unerträglichen Vergangenheit abzuschließen. Das Lager Neue Bremm, das von den Nazis als Erweiterung des Polizeigefängnisses dargestellt wurde, war weder ein Arbeits- noch ein Vernichtungslager, sondern ein Ort der Folter und des Mordes. Zu den 84 offiziell ermordeten Häftlingen kamen noch weitaus mehr hinzu, die sich dort auf einer Durchgangsstation aufhielten, bevor sie nach Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Sachsenhausen oder Ravensbrück deportiert wurden. Wie im Fall des elsässischen "Sicherheitslagers" Schirmeck entlarven die historische Forschung und der Prozess gegen die 47 Angestellten von Neue Bremm die Täter als gewöhnliche Militärs, Beamte oder einfache Bürger, die durch die Umstände zu eifrigen Folterern wurden.

Erinnerung gegen das Vergessen

Das Lager wurde 1945 zerstört und auf den Überresten des Frauengefängnisses wurde ein Novotel-Hotel errichtet. Die Instandhaltungsarbeiten beziehen sich auf die Baracken der Männer und das zentrale Wasserbecken, in dem viele Häftlinge ertränkt wurden.

 Das pädagogische Programm, das in Zusammenarbeit mit der Universität Trier entwickelt wurde, vermittelt jungen Menschen die Geschichte des Ortes und regt sie gleichzeitig dazu an, über die Extreme nachzudenken, zu denen Diktaturen führen können. "Buddeln und Bilden" wird im Rahmen des Bundesprogramms "Jugend erinnert" gefördert und ist auch Teil des saarländischen Projekts "Damit kein Gras drüber wächst", das jungen Menschen die Möglichkeit bieten will, sich mit der lokalen Geschichte des Nationalsozialismus in der Region auseinanderzusetzen. Der Verein Initiative Neue Bremm und das Historische Museum des Saarlandes sind an dem Projekt beteiligt, das ursprünglich von 2020 bis 2022 laufen sollte. Beide Partner sind aber zuversichtlich, dass es dauerhaft Bestand haben wird.

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