Oberrhein

Sing&Ami unterstützt am Oberrhein Migrantenprojekte grenzüberschreitend

Eine Venezolanerin, die ihre interkulturelle Agentur gründet, ein Afghane, der ein Geschäft mit Produkten aus seinem Land aufbaut, zwei Senegalesinnen, die Gewürze verkaufen: Diese Migranten gründen ihre Geschäfte zwischen Straßburg und Karlsruhe dank Begleitung und Betreuung durch Sing&Ami. Seit letztem Jahr setzt diese Initiative die Ziele der Nichtregierungsorganisation (NRO) Singa grenzüberschreitend um. Singa setzt sich für die Integration von Flüchtlingen und Migranten ein, vor allem durch Beschäftigung.

Migrants

Personen, die in Frankreich und in Deutschland (Zweigstellen in Berlin und Stuttgart) an Singa beteiligt sind, wollten den Aktionen der Organisation eine binationale Ausrichtung für den gesamten Oberrhein geben. Dafür wurde ein Netzwerk von Partnern aufgebaut, darunter die Maison de l'emploi in Straßburg, die für Mikrokredite an Kleinunternehmensprojekte zuständige Organisation Adie, die in Straßburg zurzeit entstehende grenzüberschreitende Eingliederungsstruktur Kaleidoscoop oder auf deutscher Seite die Baden-Württemberg Stiftung. "Dies emöglicht, einen Beitrag zur Entwicklung der grenzüberschreitenden Gesellschaft von morgen zu leisten, die ebenfalls pluralistisch sein wird", betont Juliette Gainon, Projektbeauftragte für Sing&Ami bei Singa Stuttgart.

Réunion Zoom Singa

© Juliette Gainon

Menschen, die von weit her kommen, werden von Vereinen und anderen befreundeten und partnerschaftlichen Strukturen oder über soziale Netzwerke oder sogar durch Mund-zu-Mund-Propaganda ausfindig gemacht. Das Jahr 2020 war das Jahr der Einarbeitung, in dem Projekte angestoßen und erste Gruppen von potenziellen Unternehmern zusammengestellt wurden. 

Durch verstärkte Maßnahmen 2021 nahm die Zahl der Projektträger auf rund 30 zu darunter Migranten, aber auch Personen, die schon länger entlang des Rheins in Frankreich oder Deutschland leben. So bildeten sich acht Teams. Von April bis September letzten Jahres nahmen sie an Workshops - aufgrund der Gesundheitskrise per Zoom - à la carte teil, die Themen wie rechtliche Fragen, Marketing-Kommunikation, Finanzierung-Fundraising, soziales und klassisches Unternehmertum, Teamgeist (Teambuilding) und Interkulturalität zum Gegenstand hatten.

Entschloßene Teilnehmer

An jeder Sitzung nahmen in der Regel etwa 15 Personen teil. Die Sitzungen wurden jeweils von einem Experten geleitet. So wurde eine von Anne-Cécile Graber zu den Themen Change Management und Interkulturalität  geführt.

Anne-Cécile Graber.

© DR

"Unter den Teilnehmern befanden sich Personen ohne Studium bis hin zu Doktoranden. Durch die Neuaufteilung der Gruppen in kleine Gruppen von 4 oder 5 Personen wurden gute Fortschritte erzielt. Ich war auf jeden Fall beeindruckt von dem Willen all’ dieser Menschen, durch Arbeit erfolgreich zu sein. Sie zeigen sich entschloßen und sollten es schaffen mit einem gut strukturierten Projekt", betont Anne-Cécile Graber.

Ein lebenslustiger Afghane

Der aus Afghanistan stammende Zafar Khalili lernte Sing&Ami kennen kurz nach seinem Umzug nach Straßburg, der die zweite Phase seiner Ankunft in Frankreich markierte. Sein Land hatte er 2018 verlassen, um an der Ecole de management in Grenoble einen Master in "Business Development" erfolgreich zu absolvieren. Er hatte die Absicht, nach Afghanistan zurückzukehren, doch die Verschlechterung der politischen Lage schloss dies aus. Nachdem er Anfang 2020 einen Teil seiner Familie nach Straßburg nachgeholt hatte, suchte er nach einer Möglichkeit, ein Geschäft mit dem Verkauf von afghanischen Produkten zu gründen, hauptsächlich Obst und Safran, deren Qualitäten weltweit anerkannt werden.

Zafar Khalili afghan

© Mathieu Noyer

"Die Workshops mit Sing&Ami waren zahlreich und vielfältig. Sie haben es ermöglicht, schrittweise voranzukommen. Zuerst die Formulierung des Projekts, die Identifizierung der Zielgruppen. Dann der Businessplan und schließlich die Finanzplanung. Jedes Mal war die deutsch-französische Dimension wertvoll: die Unterschiede in der Kultur kennenlernen, dann die jeweiligen Vorschriften für die Gründung und Führung eines Unternehmens. Dies gilt umso mehr, als mein Markt grenzüberschreitend ist: Er richtet sich vor allem an die 3 000 bis 4 000 Mitglieder der im Elsass und in Baden (Kehl, Karlsruhe, Baden-Baden...) ansässigen afghanischen Gemeinschaft ", berichtet Zafar Khalili.

Trotz der Schwierigkeiten kommen die Dinge in Gang. Zafar Khalili hat ein Online-Geschäft unter dem Namen "Le Petit Mandawi" gegründet, das sich auf der grossen Markt von Kabul. Dieses beginnt zu wachsen und der 34-jährige jetzt Französischsprechenden Hochschulabsolvent arbeitet an einem weiteren Geschäftsprojekt.

 

Rheinhafen, Heimat-Hafen

Sing&Ami hilft auch Menschen vom Oberrhein, zum Beispiel Jennifer Rottstegge, die eine tolle Idee hat: Sie möchte die Geschichte des Straßburger Grenzviertels Rheinhafen mithilfe des Theaters erzählen. Unter dem Titel "Port du Rhin, port d'attache? / Rheinhafen, Heimat-Hafen?" will die Spezialistin für kulturelles Projektmanagement zahlreiche historische Dokumente sammeln und aus diesem Material eine Ausstellung, sowie hauptsächlich einen "performativen Spaziergang" durch die Straßen mit einem eigens dafür zusammengestellten Ensemble im Sommer 2023 organisieren.

Jennifer Rottstegge

© DR

"Die Verantwortlichen von Sing& Ami und die Coaches gaben mir neue Tipps für das Projektmanagement oder bei Anträgen auf Zuschüsse. Ihr Feedback zum Projekt hat mir Selbstvertrauen gegeben", so Jennifer Rottstegge.

Atelier Sing&Ami

Die 2021 Sitzung kam im September zu ihrem Schluss. © Singa

Sing& Ami wird den Jahrgang 2021 weiterhin unterstützen und im nächsten Jahr eine neue Ausgabe starten.

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