Chaos wegen dem Unfall in Müden
Der Frachter, der am Sonntag, den 5. Dezember, die Schleuse von Müden rammte, unterbricht für mindestens ein Vierteljahr die Verbindung zwischen der Nordsee und den Moselhäfen der Großregion. Dies schwächt die Moselwasserstraße, die bereits durch fehlende Investitionen und Probleme bei der Regierungsführung beeinträchtigt ist.

Bei dem Zusammenstoß, der am Nachmittag des 5. Dezember das Schleusentor in Müden (Rheinland-Pfalz) stark beschädigte, wurde glücklicherweise niemand verletzt, aber es hätte nicht schlimmer kommen können. Ein Frachter, der 1.500 Tonnen Schrott zum Hafen Mertert in Luxemburg transportierte, rammte die Infrastruktur des WSA Mosel-Saar-Lahn (Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn), das die Schleuse betreibt.
Der Unfall wird die Flussschifffahrt auf der Mosel bis März unterbrechen, es sei denn, eine provisorische Schleuse kann die Situation schnell wiederherstellen. Gerade zum Jahresende herrscht Hochbetrieb. Auf der 158 Kilometer langen Großschifffahrtsstraße werden jährlich zwischen 4 und 5 Millionen Tonnen wichtiger Rohstoffe - Weizen, Kohle, Zellulose oder Schrott - von den Nordseehäfen zu den Häfen der Großregion transportiert. Laut WSA haben in diesem Jahr rund 600 Schiffe 8,1 Millionen Tonnen Güter durch die Müdener Schleuse befördert.
Mehrere Monate ohne Verkehr
Eine Woche nach dem Zusammenstoß muss das WSA Mosel-Saar-Lahn die Schleusenkammer leeren, um eine genaue Bestandsaufnahme der Schäden zu machen. Neben den beiden gebrochenen und verformten 40 Tonnen schweren Flügeln, die angehoben werden müssen, scheint auch der Antriebsmechanismus der Flügel beschädigt zu sein. Wie teuer der Schaden sein wird, ist noch nicht bekannt.
Unmittelbar ist die Situation vor allem für die Binnenschiffer der 70 Lastkähne, die seit über einer Woche an der Mosel gefangen sind, schmerzhaft. Sie wissen immer noch nicht, wie sie ihre Heimathäfen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz wieder erreichen können.
WSA Mosel-Saar-Lahn, sein französisches Pendant Voies navigables de France und die Société du port de Mertet in Luxemburg bemühen sich, den Transportunternehmen und ihren Kunden zu helfen, festgefahrene Schiffe zu entlasten. Es ist schon vorgekommen, dass Unfälle oder Niedrigwasser die Schifffahrt auf der Mosel unterbrochen haben, aber noch nie für eine so lange Zeit.
Gibt es eine Lösung?

Julie Jacopin, Betriebsleiterin der Ports lorrains de la Moselle (Lothringische Moselhäfen). ©DR.
„Wir richten Ausweichmöglichkeiten auf der Straße und der Schiene ein, die jedoch finanzielle Auswirkungen für unsere Kunden haben werden“, warnt Julie Jacopin, Betriebsleiterin der Ports Lorrains de la Moselle.
Diese Struktur verwaltet die öffentlichen Moselhäfen in Toul und Frouard im Departement Meurthe-et-Moselle, Thionville und Metz im Auftrag von Rhénus, dem Betreiber der 11 öffentlichen und privaten Moselhäfen. Sie verwaltet einen jährlichen Strom von 3 Millionen, der hauptsächlich aus Kohle, Zellulose, Schrott und halbfertigen Stahlprodukten besteht. Der Hafen von Frouard übernimmt auch die Flusslogistik von Schwergut, wie z. B. Teile von Wärmekraftwerken, die auf der Straße nur schwer transportiert werden können und für verschiedene Industrieprojekte von hoher Bedeutung sind.
Der Unfall betraf auch die an der Mosel ansässigen Getreideproduzenten und die Logistiker, die für die Belieferung der luxemburgischen, saarländischen und lothringischen Standorte von Arcelor Mittal zuständig sind. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier bedauert, dass nur drei der zehn Schleusen auf dem deutschen Moselabschnitt zwischen Koblenz und der Sauer mit zwei Kammern ausgestattet sind, was im Fall von Müden eine Schadensbegrenzung ermöglicht hätte.
Die Umgehungslösungen - auf der Schiene oder über die Rheinhäfen - wird es vor 3 Monaten nicht geben können. Sie werden den Spediteuren und Kunden Zeit lassen, längerfristige Alternativen zu prüfen, die nicht im Interesse der Mosel liegen.
Familienkonzern betroffen
In den Vogesen verfolgt die Mauffrey-Gruppe, die 5000 Mitarbeiter in Frankreich und im Ausland (Polen, Luxemburg, Italien und Spanien) beschäftigt und bis 2023 einen Umsatz von 600 Millionen Euro erwirtschaften wird, die Entwicklung des Frachtverkehrs an der Mosel genau. Der Familienkonzern hat seinem Beruf als Spediteur die Kompetenz eines Logistikers hinzugefügt. Er gründete 2017 Mauffrey Affrètement Ferroviaire et Fluvial (MAFF) mit Standorten in Villers-les-Nancy (Meurthe-et-Moselle) und Dunkerque (Nord), um seinen Kunden ein multimodales Transportangebot zu bieten. Der Spediteur, dessen zehn Schiffe bei dem Unfall in Müden blockiert waren benutzt nun die Straßen zum liefern. Die Aussicht auf eine vierteljährliche Sperrung der Mosel ist jedoch keine gute Nachricht.

Fabrice Grandgirard, Vorsitzender der Mauffrey-Gruppe.© Groupe Mauffrey.
„Die Nutzer fragen nach dekarbonisierten Transportlösungen, aber nun müssen wir fahren um die Waren zu liefern. Andererseits werden zahlreiche Kundendossiers geprüft, die von der Straße auf den Fluss verlagert werden sollen, aber wir müssen weiterhin warten. Ein Jahr Verspätung gegenüber dem geplanten Zeitplan ist zu viel“, meint Fabrice Grandgirard, Präsident der Mauffrey-Gruppe.
Die Mosel braucht einen neuen Kurs
Tatsächlich kommt die Vergabe der Verwaltung der Moselhäfen seit Anfang des Jahrzehnts nicht voran. Im Juli 2020 wurde die Verwaltung der elf lothringischen Moselhäfen an ein Trio von Betreibern - die Industrie- und Handelskammer (CCI) von Meurthe-et-Moselle, ArcelorMittal und CFNR Transport - im Rahmen einer gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft mit einmaliger Operation (Semop) vergeben. Diese Lösung, deren Ausarbeitung drei Jahre gedauert hatte, sollte das Transportvolumen wieder auf 10 Millionen Tonnen pro Jahr anheben. Sie scheiterte jedoch drei Monate später.
Eine Übergangslösung, die 30 Monate dauern sollte, war die Compagnie française de navigation rhénane (CFNR), eine Tochtergesellschaft des deutschen Rhenus-Konzerns. Die Mauffrey-Gruppe bewarb sich erneut und schlug gemeinsam mit ihren Partnern eine Lösung vor.
Der Unfall von Müden stellt eine neue Hürde für einen Fluss dar, dem es an Governance mangelt. Die Binnenschifffahrt auf der gesamten Mosel, die die energieeffizienteste Art des Gütertransports darstellt, braucht dringend einen neuen Kurs.
© André Faber.