Oberrhein

Die Kooperation der Häfen schwankt mit den Wellen

Die Binnenhäfen von Mulhouse und Basel setzen auf stärkeren Austausch, während die Vereinigung von neun Häfen vom Oberrhein bis nach Ludwigshafen noch nach gemeinsamen Nennern sucht.

Visuel Rhin

In diesem Herbst schlossen die Binnenhäfen von Mulhouse und Basel ein Bündnis: Zu ihrem gemeinsamen Unternehmen „RheinPorts“ gehört nun auch Europas größter Binnenhafen, der von Duisburg. Mit einer jährlichen Transportleistung von 60 Millionen Tonnen liegt Duisburg weit vor seinen Partnern im Südelsass und in Basel, die zusammen rund 11 Millionen Tonnen pro Jahr verzeichnen.

RPIS

© Upper Rhine Ports

Die Zusammenarbeit betrifft vor allem das Informationssystem RPIS (Rhein Ports Information Systems). Diese digitale Plattform liefert Echtzeitdaten über den Verkehr und die Verfügbarkeit von Terminals. RPIS wurde für den Containertransport entwickelt und soll auf andere Bereiche, einschließlich des Transports über Schienen in den Häfen, ausgeweitet werden. 

Der Beitritt Duisburgs zu RheinPorts soll den Austausch der drei Binnenhäfen verstärken. Der Präsident der CCI Grand Est und ihrer Zweigstelle Mulhouse-Sud-Alsace, Gilbert Stimpflin, hält das für eine gute Idee. Seit der Änderung der Organisationsstrukturen obliegt die Verwaltung der Häfen den lokalen Behörden. Stimpflin hat die Öffnung des Hafens von Mulhouse für die deutschen und schweizerischen Nachbarn initiiert.

Stimpflin

© CCI Alsace Eurométropole

"Die grenzüberschreitende Dimension war ein fester Bestandteil der Modernisierung unseres Hafens. Um den Hafen für die Welt zu öffnen, mussten wir näher an Basel, dem Eintrittstor zur Welt, heranrücken", erklärt er.

port muhouse ottmarsheim

Ottmarsheim beim Hafen von Mulhouse © Ports de Mulhouse-Rhin

Ein Schweizer Unternehmen in Mulhouse

Die operationellen Maßnahmen werden seit Juli durchgeführt. Die neue Betreibergesellschaft des Hafens von Mulhouse, EuroRheinPorts, die von den lokalen Behörden kontrolliert wird, arbeitet täglich unter der Leitung von Swissterminal, dem Schweizer Container-Verkehrsunternehmen. Es liegt im Interesse dieses Unternehmens, näher an das Südelsass heranzuziehen, denn es wird in den nächsten Jahren seinen Standort im Basler Hafen verlieren, da dieser seine Grundstücksrechteübertragung beschleunigen will. Das gemeinsame Ziel von Swissterminal, den lokalen Behörden und der Industrie- und Handelskammer ist es, die Entwicklung der Infrastruktur von Mulhouse und Umgebung, den Verkehr und die Ansiedlung von Unternehmen in den Hafenaktivitätszonen zu steigern. Die von EuroRheinPorts geplanten Investitionen belaufen sich auf 26,5 Millionen Euro über fünf Jahre.

Rheinports ohne Weil-am-Rhein

Es bleibt jedoch noch einiges zu tun, um die Hafenkooperation auf beiden Seiten des Rheins über das Tandem Mulhouse-Basel hinaus zu fördern. Direkt daneben liegt der deutsche Hafen Weil-am-Rhein, der zunächst am Projekt RheinPorts beteiligt war, nun aber außen vor bleibt, da er sich nicht am Kapital des Unternehmens beteiligte. "Es ist eine Frage der Zeit: Die Region Weil muss ihre internen Probleme lösen", meint Gilbert Stimpflin.

dirigeants upper rhine ports

Die Verantwortlichen der neun Häfen von Upper Rhine Ports treffen sich im Januar 2020 in Mannheim. © LoÏc Chalmandier

Ein weiteres ungeklärtes Thema: die Zusammenarbeit des Oberrheins auf größerer Ebene. In diesem Gebiet sind neun Häfen (flussaufwärts nach flussabwärts: Basel, Weil, Mulhouse, Colmar, Straßburg, Kehl, Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen) in der Gemeinschaftsinitiative Upper Rhine Ports zusammengeschlossen. Mit einem Gesamttransportvolumen von rund 50 Millionen Tonnen stellt dies an sich schon eine beachtliche Kraft dar. Die RPIS-Initiative, aus der sie hervorging, hat sich jedoch im Zuge der Verwaltung durch die Gesellschaft RheinPorts auf das Binom Mulhouse-Basel konzentriert.

Der Duisburger Zug

Manfred Rausch

© DR

"Die Themen für die Zusammenarbeit auf der Ebene der Oberrheinischen Häfen werden neu definiert. Chancen können sich aus der Beteiligung an Projekten im Rahmen der Programme European Life (Umwelt), Interreg und Connecting Europe Facilities ergeben", betont Manfred Rausch, Verantwortlicher für die Unpper Rhine Ports im Straßburger Hafen.

Die Straßburger Niederlassung will auch den Zug nach Duisburg nicht "verpassen", dem sie geografisch näher ist als Mulhouse, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das französische Drehkreuz der chinesischen Seidenstraße zu werden, die in Duisburg endet.

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