Saarland, Lorraine

Energiewende ohne Grenzen – die Smart Border Initiative

Ein intelligentes Stromnetz, das eine effiziente und grüne Energieversorgung über Ländergrenzen hinweg ermöglicht. Das ist die Idee der Smart Border Initiative, die zwischen dem Saarland und Lorraine ein Modellprojekt entwickelt hat, das in Zukunft auch auf andere europäische Nachbarregionen übertragbar sein soll.

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Dass im Kampf gegen den Klimawandel dringend etwas getan werden muss, weiß auch die Europäische Union: Bis 2050 will sie Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt machen. Um das zu erreichen, sollen auch grenzübergreifende Energie-Infrastrukturen grüner und nachhaltiger werden. Dafür überarbeitet die EU momentan ihre Richtlinien zu transeuropäischen Energienetzen, sodass in Zukunft mehr Projekte gefördert werden, die auf erneuerbaren Energien aufbauen.

Lokale Verteilnetze verknüpfen

Ein Leuchtturmprojekt in Sachen grüne, lokale Energieversorgung ist die Smart Border Initiative. Anders als bei Kohle- oder Atomkraftwerken werden erneuerbare Energien meist vor Ort hergestellt und direkt in das Verteilnetz eingespeist, das die Haushalte der Umgebung mit Strom versorgt. Daher bietet sich vor allem in Grenzregionen eine Zusammenarbeit  auf lokaler Ebene an, wie in der Region Saarland - Lorraine. Hier hat die Smart Border Initiative den deutschen Verteilnetzbetreiber energis und das französische Pendant Enedis zusammengebracht, um beide Netze zu verknüpfen. Diese Kooperation ist jedoch bisher alles andere als selbstverständlich, wie Franca Diechtl, Projektleiterin bei der Deutschen Energie-Agentur, erzählt.

Franca Diechtl

Franca Diechtl © Deutsch-Französische Energieplattform

„Auf Hochspannungsebene gibt es schon Stromleitungen, die von Frankreich nach Deutschland führen und umgekehrt. Stromaustausch findet schon statt, aber auf der lokalen Ebene machen die Verteilnetze meist immer noch an der Grenze Halt.“ 

Das Smart Grid – ein intelligentes Stromnetz

Doch es geht nicht nur um die physische Verbindung zwischen den Verteilnetzen. Erneuerbare Energien haben bekanntermaßen eine hohe Fluktuation, je nach Wetterlage kann die Energieproduktion stark schwanken. Um dem vorzubeugen schlägt die Smart Border Initiative eine intelligente Steuerung und Umverteilung der Energie vor, sodass es nicht zu Engpässen bei der Stromversorgung kommt. Dabei lautet das Stichwort Flexibilität, wie Franca Diechtl erklärt.

„Wir wollen auch regionale Verbraucher aus der Industrie miteinbeziehen, zum Beispiel Supermärkte oder mittelständische Unternehmen, die ihren Verbrauch flexibilisieren können. Das heißt: Die Verbraucher werden dazu angehalten, bei viel Energie im Netz diese auch zu verbrauchen und bei wenig Energie im Netz, ihren Verbrauch herunterzufahren.“ 

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© VSE AG und Enedis

Neben einem flexiblen Verbrauch wird die Fluktuation auch durch den Einbezug verschiedener nachhaltiger Quellen wie Strom, Wärme, Kälte oder Wasserstoff ausgeglichen. Gibt es viel erneuerbare Energien im Netz, kann ein Teil des Stroms umgewandelt und beispielsweise in Wasserstofftankstellen gelagert werden.

Smart Mobility

Durch ihre Zusammenarbeit können die lokalen Verteilnetzbetreiber auf beiden Seiten der Grenze auch eine gemeinsame Strategie für die grenzüberschreitende E-Mobilität erarbeiten und den Verbrauchern mitteilen, wo sie ihre elektrisch oder mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge am besten laden können. Für Diechtl ist diese Kooperation für die rund 20.000 Pendler*innen in der Saarland-Lorraine Region unabdingbar.

„Für uns war es interessant zu sehen, dass Kommunen und Städte, die wirklich benachbart sind, sich noch gar nicht darüber austauschen, wie man das Thema E-Mobilität angeht, obwohl es so viele Pendler gibt.“

Seit Ende 2019 ist die Studienphase der Smart Border Initiative abgeschlossen. Diechtl zufolge ist die Bilanz sehr positiv und die konkreten Ergebnisse liegen der Europäischen Kommission vor. Bis die Umsetzung beginnt, müssen jedoch zuerst noch mehr erneuerbare Energien in der Region produziert werden. Das theoretische Konzept steht zumindest schon einmal und könnte auch in anderen europäischen Grenzregionen bald praktisch getestet werden.

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