SaarMosel

Spiegelschrift erhält saarländischen Kunstpreis

Die deutsch-französische Künstlerin Valérie Hendrich ist mit dem vom Regionalverband Saarbrücken ins Leben gerufenen Kunstpreis "Grenze-Frontières" am 7. Oktober für ihren Wettbewerbsbeitrag – „Zwiegespräch mit Eva Mendgen“ - ausgezeichnet worden.

Bisch du platt

In der Ausschreibung wurde die Frage nach den Auswirkungen der Pandemie auf die grenzübergreifenden Beziehungen in SaarMoselle und das künstlerische Schaffen gestellt. Die Jury wählte eine künstlerische Intervention von Hendrich, mit der 2018 die zwanzigste Ausgabe des Festivals "Mir redde Platt" eröffnet worden ist. Dieses Festival wird von der Stadt Sarreguemines (Dépt. Moselle) zur Belebung der Regionalsprache (des „Platt“) organisiert. Hendrich ließ die Frage „Bisch du Platt?“ zum Wortspiel werden, und zwar zwischen dem Substantiv "Platt", das sich auf den Dialekt bezieht, und dem Adjektiv "platt" (abgeflacht, müde). Mit der Pandemie erhielt es eine ganz neue Präsenz.

Die Kunsthistorikerin Eva Mendgen antwortete auf die von Hendrich gestellte Frage "Bisch du Platt?“ in Form eines literarischen „Zwiegesprächs“. Ihr Text wirft eine Reihe von poetischen oder rebellischen Fragen auf: „Bin ich deutsch? Bin ich französisch? Drüben ist Deutschland, hüben Frankreich – und ich? Bin mittendrin. Ich bin platt, aber anders als zuvor. Seit ein paar Monaten sind die Grenze, das Hier und das Dort wieder da, Europa hat vor dem Virus kapituliert"...

Valérie Hendrich.

© Eva Mendge

"Eva entdeckte die Wörter in Spiegelschrift auf dem Bauch einer Péniche, die sich im Wasser reflektieren, auf einer Fahrradtour entlang der Saar zwischen Saarbrücken und Sarreguemines. Das Thema des Grenze-Frontière-Wettbewerbs entsprach genau der Diskussion, die wir danach geführt haben, obwohl der Wettbewerb noch gar nicht gestartet war", sagt Valérie Hendrich.

 Die Künstlerin arbeitet seit langer Zeit mit Lettern, die sich im Wasser spiegeln.

"Ich benutze Worte und Sprache als kreative Medien. Die Buchstaben erscheinen zuerst wie helle Flecken auf der Wasseroberfläche, bis sie sich zu Wörtern zusammenfügen. Erst in der Reflexion werden sie lesbar und auch nicht immer gleich, denn ihr Zusammenhalt ist vom Wetter und von der Bewegung des Wassers abhängig, so dass man ihren Sinn entziffern kann oder nicht,“ erklärt Hendrich, die Platt von ihrem Kindermädchen gelernt und die fünfzehn Jahre in Saarbrücken und ebenso viele in Sarreguemines verbracht hat.

Ihre Installationen sind zwischen Völklingen, Grosbliederstroff und Saarbrücken « hin- und hergefahren“ (auf dem Schiffbauch angebracht in Form von plastischen Buchstaben aus Metall). In Metz wurde eines ihrer Werke im Rahmen des Festivals Constellations verwirklicht. Die vielseitige Künstlerin produziert außerdem Videos, Skulpturen, Bücher und Zeichnungen. Ihre Ausstellung "J'entends ta voix dans tous les bruits du monde" (Ich höre deine Stimme in allen Geräuschen der Welt), ein künstlerisches, generationenübergreifendes Projekt, das vom Drac Grand Est unterstützt wird, überträgt typische Ausdrücke in „Platt“ auf alte Typografien. Das Werk wird in weißen Neonbuchstaben auf einer Fußgängerbrücke über die Saar vor dem Rathaus von Sarreguemines verewigt.
 

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