Luxemburg – Lothringen

Esch2022 sorgt für einen Remix der grenzübergreifenden Zusammenarbeit

Esch2022 zählt zu den Großereignissen des neuen Jahres. Damit wird der Süden Luxemburgs und der Norden Lothringens zur Kulturhauptstadt Europas. Die 36 Monate dauernden Vorbereitungen haben die beiden Gebiete einander nähergebracht. Sie erhoffen sich von dem Ereignis eine bessere Wahrnehmung von außen.

ESCH2022 Vision pour l’ouverture

Esch2022 steht unter dem Motto "Remix" und bietet als roten Faden "Remix art", "Remix Europe", "Remix Nature" und "Remix Yourself?". Dabei werden auch die Karten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit neu gemischt. Das Europäische Kulturjahr, das auf luxemburgischer Seite mit 54 Millionen Euro und auf französischer Seite mit 1,5 Millionen Euro finanziert wird, wird sicherlich nicht das wirtschaftliche Ungleichgewicht in dem Gebiet mit 200.000 Einwohnern ausgleichen, das sich auf die 11 luxemburgischen interkommunalen Prosud-Gemeinden und die 8 Gemeinden der Communauté de Communes du Pays-Haut-Val d'Alzette (CCPHVA) verteilt. Doch drei Jahre Vorbereitungszeit mit dem Fokus auf das gemeinsame Großprojekt haben die Partner näher zusammengebracht.

frederique-neau

@Esch2022

« Die Stadt Esch hat sich entschieden, das kleine französische Gebiet der CCPHVA zu integrieren, das Teil eines gemeinsamen Lebensraums ist. Somit kann diese Grenze hinterfragt werden, die man kaum mehr sieht, die aber noch existiert. Esch2022 schafft eine neue Art, Geschichte, Raum und Kultur zu teilen », meint Frédérique Neau-Dufour, Projektleiterin für die französische Koordination von Esch2022.

Eine einmalige Gelegenheit

Für Esch stellt der Status als europäische Hauptstadt eine einmalige Gelegenheit dar, eine bereits gut angelaufene Umgestaltung in Szene zu setzen, in der das Escher Theater, das Widerstandsmuseum, die Rockhal und die Kulturfabrick einen wichtigen Platz einnehmen. Auf französischer Seite wird die Arche, die, wenn die Gesundheitskrise es zulässt, im Februar eingeweiht wird, die einzige größere Einrichtung darstellen. Die CCPHVA hatte die Schaffung eines kulturellen "Leuchtturms" bereits beschlossen, lange bevor Esch sich um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt beworben hatte. Die Übergabe dieser 13 Millionen Euro teuren, kulturellen und digitalen Einrichtung kurz vor der Eröffnung von Esch2022 ermöglicht es der französischen Seite, sich voll und ganz an der Veranstaltung zu beteiligen.

Risser

DR

"Ohne dieses Flaggschiff hätten wir nur unsere MJC und unsere Gemeindesäle anbieten können. Die Arche, in der mehrere Veranstaltungen von Esch2022 stattfinden werden, bietet Audio- und Digitalproduktionsanlagen, die in der Region Grand Est ihresgleichen suchen und auch für die Luxemburger interessant sein könnten", betont Patrick Risser, Präsident der CCPHVA.

Melting pot

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©-tinker-imagineers-for-esch2022

Während "Luxemburg und die Großregion, Hauptstädte Europas 2007" auf eine internationale Aura abzielten, die letztlich nur mäßig erfolgreich war, entschied sich Esch2022 dafür, die bewegte Geschichte eines kleinen, von Schwerindustrie und Kriegen geprägten Lebensraums zu beleuchten. Die Einwanderung spielt hier seit über einem Jahrhundert eine wichtige Rolle und verleiht dem Gebiet den Charakter eines Melting Pots, der für kulturelles Schaffen günstig ist.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Der Regionalrat des Grand Est war zunächst perplex, positionierte sich als Beobachter, bevor er sich der Sache annahm. Die Départements Moselle und Meurthe-et-Moselle, deren finanzielle Beteiligung nicht vorgesehen war, stellten Gelder bereit, um sich an der Veranstaltung zu beteiligen. Die 40 Projekte, die auf französischem Boden stattfinden werden, werden nun zur Hälfte von den französischen Gebietskörperschaften finanziert, während Luxemburg den anderen Teil übernimmt.

In diesem voluntaristischen Kontext erscheint das Almosen des französischen Kulturministeriums, das auf wiederholte Anfrage der Lokalpolitiker schließlich 30.000 Euro bewilligte, wie ein Tropfen auf den heißen Stein - oder zumindest wie ein Beweis dafür, dass der Norden Lothringens und der Süden Luxemburgs sehr weit von den Pariser Sphären entfernt liegen. Aber die Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten (Drac) des Grand Est hat sich mit 300.000 Euro an der Veranstaltung beteiligt - die bereits fast vollständig freigegeben wurden.

"Auf lokaler Ebene gibt es keine Missstimmung. Bei der französisch-luxemburgischen Regierungskonferenz im Oktober letzten Jahres gab es Konsens zu Esch2022, ein Erfolg, der Freude macht", bezeugt Frédérique Neau-Dufour. Auf dieser Ebene steht die Großveranstaltung des kleinen binationalen Gebiets also unter den besten Vorzeichen.

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