Oberrhein

Gewerbegebiete am Rhein erproben gemeinsames Spiel

Die Landknappheit und ein wachsendes Bewusstsein für ein Gebiet mit gemeinsamem Schicksal lassen den Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen abflauen. Aber der Weg bis zu einer vorbildlichen Kooperation ist noch lang.

Jeu collectif

Wird der Wettbewerb nun einer Zusammenarbeit weichen? Zwischen dem Elsass und Baden scheint sich das, was früher eher ein Kampf um das Anlocken von Unternehmen war, zu einem friedlicheren Austausch zu entwickeln. Ein konkretes Beispiel könnte das in den nächsten Wochen verdeutlichen: Ein deutsches Industrieunternehmen strebt die Ansiedlung seiner neuen Fabrik im "Axioparc" in Drusenheim (Bas-Rhin) an. Allerdings hatte der Pamina Business Club, ein binationales Netzwerk von Unternehmern und Wirtschaftsförderern rund um Karlsruhe, das Elsass dazu eingeladen sich zu bewerben.

Axioparc

Axioparc in Drusenheim (Bas-Rhin) © Atelier LD

Der Axioparc, der letztes Jahr von den privaten Gesellschaften Alpha Aménagement und Nexity Villes & Projets auf der Brache der Total-Raffinerie in Herrlisheim-Drusenheim entwickelt wurde, verkörpert die neue Generation von grenzüberschreitenden Gewerbebieten: ein Standort am Rhein, der mindestens ebenso viele, wenn nicht mehr deutsche wie französische Bewerber anziehen soll, aber komplett auf französischem Gebiet verankert ist, ohne den Anspruch zu erheben, ein hypothetisches binationales Recht erfinden zu müssen.

JM Staerlé Adira

© Adira

"Die perfekte grenzüberschreitende Zone wurde oft erträumt und klingt politisch attraktiv, aber in Wirklichkeit ist sie eine Utopie. Aus verwaltungstechnischer, steuerlicher und sozialer Sicht ist es schlichtweg unmöglich, sie umzusetzen. Man befindet sich immer auf dem Gebiet eines bestimmten Landes", analysiert Jean-Michel Staerlé, Leiter der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bei Adira, der Wirtschaftsförderungsagentur des Elsass.

Euroairport

© EuroAirport

"Ansonsten müssten mehrere und extrem lange Verfahren eingeleitet werden, um die zentralen Behörden dazu zu bringen, die Linien ein wenig zu verschieben", fügt er hinzu. Der Adira-Chef verweist auf den Flughafen Basel-Mulhouse, den einzigen Fall eines binationalen Wirtschaftsstandorts: In den letzten Jahren hat die Pariser Regierung die Anwendung des schweizerischen Steuer- und Arbeitsrechts auf dem Flughafen, der sich vollständig auf französischem Territorium befindet, in Frage gestellt, was zu einem langen und leidenschaftlichen Kampf führte und in einem Rahmenabkommen mündete, das diese Praktiken toleriert. Allerdings bietet dieser Text nicht alle Garantien der Rechtssicherheit.

Die Verdichtung der Zonen erlernen

Mit seinen rund 100 Hektar bildet der Axioparc eine Ausnahme in einem Trend, der auf beiden Seiten des Rheins immer häufiger zu beobachten ist: die Verknappung der Flächen, insbesondere für die wirtschaftliche Entwicklung. Nach Ansicht der Akteuren ändert diese Situation vieles. Die Badener leiden schon seit längerem darunter, was sie dazu veranlasst hat, ihr Prospektionsfeld zu erweitern: Der aktuelle Fall in Drusenheim ist u.a. eine Folge der Schwierigkeiten des Investors, im Raum Karlsruhe ein Grundstück zu finden. Der elsässische Teil des Oberrheins, der bisher weniger betroffen war, wird zunehmend mit diesem Problem konfrontiert werden, und zwar aufgrund der Kombination aus regelmäßigem Flächenverbrauch und der staatlichen Strategie der "zéro artificialisation nette des terres", einer Gesetzgebung gegen die künstliche Nutzung von Böden. "Vor diesem Hintergrund werden die Politiker im Elsass selektiver und vorausschauender in ihrer Strategie zur Ansiedlung von Unternehmen. Wir müssen noch viel von unseren Nachbarn lernen, was die Wiederverwendung von Industriebrachen und die Verdichtung bestehender Wirtschaftszonen angeht", sagt Jean-Michel Staerlé.

Darüber hinaus wächst auf beiden Seiten des Rheins das Bewusstsein, eine gemeinsame Region zu bilden, insbondere aus der Sicht von potenziellen weltweit tätigen Investoren. Die Planungskoordinierung über die Grenze hinweg kann einen dauerhaften und wirksamen Motor dafür darstellen. Das Gebiet "Bande rhénane Nord" im Elsass, zu dem auch Drusenheim gehört, hat daher beschlossen, an dem Experiment "MoRo" (Modellvorhaben für Raumordnung) teilzunehmen. Diese vom Straßburger Stadtplanungsbüro Adeus bis Ende 2022 durchgeführte Initiative zielt darauf ab, die Abstimmung von Stadtplanungsdokumenten und Gewerbegebietsstrategien am Oberrhein besser zu koordinieren, unter anderem mit Hilfe von Planspielen, die neue Perspektiven eröffnen können.

Zone Ecorhena

Vue perspective de la zone Ecorhéna © Leonid Andronov / Getty Images

Testfall Fessenheim

Eine solche neue Zusammenarbeit ist vor allem für das Elsass von Interesse: Sie kann dazu beitragen, seine Wirtschaftsleistung am Oberrhein wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wo eine Studie des Wirtschaftsinstituts BAK erst kürzlich die zunehmenden Unterschiede zwischen der französischen Seite einerseits und dem deutschen und dem Basler Gebiet andererseits aufgezeigt hat. Unter der Voraussetzung, dass gut zusammenspielt wird. Die Leitung des Fessenheimgebiets wird in dieser Hinsicht ein Testfall darstellen. Der französische Staat versichert zwar, die künftige EcoRhéna-Zone im Hafen von Colmar-Neuf-Brisach als deutsch-französisches Gebiet zu betrachten, beharrt jedoch darauf, dort ein "Technocentre" für die Wiederverwertung von Abfällen im Zusammenhang mit dem Rückbau des Kernkraftwerks einzurichten, was für Unruhe bei den deutschen Partnern sorgt. Der Bürgermeister der benachbarten Stadt Breisach, Olivier Rein, der einen grenzüberschreitenden Ansatz für die Zeit nach Fessenheim sehr befürwortet, erklärte kürzlich, er würde Einrichtung des Technocenters als einen "strategischen Fehler" betrachten.

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