Oberrhein

Wasserstoff versucht den Sprung über den Rhein

Das Potenzial der Wasserbenützungen am Oberrhein ist riesig, aber um es voll auszuschöpfen, muss das Thema noch viel öfter den Weg auf die andere Seite der Grenze finden. Die Teilnehmer einer Treffens in Biesheim stellten ca. zehn Initiativen vor, von denen einige den Rhein – und damit auch die Grenze – bereits erfolgreich überqueren könnten.

Dessin hydrogène Rhin

Am 8. November wurden den Teilnehmern des „Upper Rhine H2 Summit South“ (Sommet H2 Rhin supérieur Sud) in Biesheim (Haut-Rhin) ca. zehn Initiativen vorgestellt, von denen die meisten auf beiden Seiten des Flusses angesiedelt sind - und sie stellten fest, dass einige von ihnen von der Überquerung des Rheins profitieren könnten. Auf deutscher Seite wurde in einer vom Netzwerk „Klimapartner Oberrhein“ geleiteten Studie das Potenzial für die Nutzung von Wasserstoff in den vier Gebieten mit dem größten Bedarf ermittelt, in der Ortenau, im Breisgau, im Dreiländereck bei Basel und im Raum Waldshut am Bodensee. Dabei wurde ein Bedarf von 20.000 Tonnen pro Jahr festgestellt.

Dieter Sommerhalter

© ITG-Badenova

Diese Zahl entspricht einem Produktionsbedarf ab einer Leistung von rund 130 Megawatt pro Jahr. Die Anlagen in unserer Region können allerdings nur 25 MW liefern. Um diese Lücke zu schließen, können wir auf benachbarte Lieferanten in Frankreich zurückgreifen“, erklärt Dieter Sommerhalter, Geschäftsführer der ITG, der Infrastrukturtochter des badischen Energieunternehmens Badenova.

Sommerhalter bezieht sich dabei auf die Erweiterung der Elektrolyse-Kapazität des Schweizer Energieunternehmens IWB (Industrielle Werke Basel)von 1 MW auf 6 MW im deutsch-griechischen Grenzgebiet Grenzach-Rheinfelden-Basel. Eine weitere Elektrolyse-Anlage, die mit einem Wärmenetz in Allbruck bei Waldshut gekoppelt ist, soll eine geplante Klinik versorgen und könnte in einer zweiten Phase auf 50 MW erweitert werden.

Eine „kleine Schwester“ für MosaHyc

Canalisations GRTGaz

© GRTGaz

Die ITG hat noch ein drittes Gebiet im Visier: Neuenburg auf der deutschen Seite des Rheins und Ottmarsheim (Haut-Rhin), die eine der von ihr geforderten „Brücken“ sein könnte. Auf französischer Seite ist eine solche Infrastruktur bereits in Vorbereitung. Der Gas-Transporter GRTGaz kündigte vor Kurzem an, das Gebiet Südelsass zur "kleinen Schwester" von MosaHyc zu machen. Damit würde im Elsass das Saar-Mosel-Projekt wiederholt werden, bei dem Gasleitungen in Wasserstoffleitungen umgewandelt und 30 km zusätzliche neue Leitungen gebaut werden.

Die Erhöhung der Produktionskapazität, die im Elsass vorbereitet wird, ist von großem Interesse für potenzielle deutsche und schweizerische Nutzer in der Region. Die erste Anlage, die Elektrolyse-"Gigafactory" der belgischen Gruppe John Cockerill, soll im Mai 2023 in Aspach-le-Haut (Haut-Rhin) in Betrieb genommen werden. Sie wird 200 Megawatt pro Jahr produzieren.

Das Treffen in Biesheim bot der französischen Gesellschaft H2V die Gelegenheit, ein weiteres Projekt für 200 MW Wasserstoff (28.000 Tonnen) pro Jahr vorzustellen, der durch die Elektrolyse von Wasser erzeugt werden soll. Der Zeitplan sieht eine Eröffnung im Jahr 2026 vor, aber das Antragsverfahren muss noch viele Grundstücks-, Verwaltungs- und Finanzierungsschritte durchlaufen. Der Betreiber H2V, der auch eine Anlage in Gandrange (Mosel) plant, ist auf der Suche nach öffentlichen Beiträgen zu den Investitionen des Hauptaktionärs, der Gruppe Samfi Invest, um die gezielte Summe von 230 bis 250 Millionen Euro zu erreichen.

Säule für die postnukleare Ära

Auch andere technologische Brücken sind denkbar. Yves Hemedinger, Abgeordneter von Haut-Rhin und Initiator des von der Europäischen Gemeinschaft Elsass und der Gemeindekörperschaft Mulhouse M2A organisierten Biesheimer Gipfels, verweist auf die Pyrolyse, die keine CO2-Emissionen verursacht.

Hemedinger

© Y.Hemedinger

Unsere deutschen Nachbarn starten ein Programm für ein Wasserstoffkraftwerk, das mit dieser Technik umgewandeltes Methan nutzt. Wir könnten uns an diesem Projekt beteiligen, da wir ein großes wasserstoffemittierendes Industrieunternehmen in unserem Gebiet haben. Wenn der Prozess abgeschlossen ist, könnten eine solche Anlage für die Lagerung genutzt werden", betont Yves Hemedinger.

Der Abgeordnete formulierte diesen Vorschlag Ende 2020 in einem Bericht, in dem Wasserstoff als eine der Möglichkeiten zur Umgestaltung des Gebiets um das ehemalige Kernkraftwerk Fessenheim genannt wurde. Das gleiche Dokument unterstreicht die Herausforderung für die Stromversorgung des Oberrheins: Die Beschlüsse von Frankreich, Deutschland und die voraussichtliche Schliessung von den alternden Nuklearanlagen in der Schweiz führen dazu, dass fast alle 13 Kernkraftwerke des grenzüberschreitenden Gebiets in diesem Jahrzehnt abgeschaltet werden. Das entspricht einer Kapazität von 12.000 Megawatt.

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