Frankreich - Deutschland

Deutsch-Französischer Kulturrat setzt neue Akzente

Vielen Deutschen und Franzosen dürfte der über 30 Jahre alte Kulturrat eher unbekannt sein, arbeitete er bisher doch eher hinter den Kulissen, ohne in der Öffentlichkeit großartig in Erscheinung zu treten.

conseil culturel

Mit Corona hat sich der Stellenwert der Kultur- und Kreativszene aber geändert, ist stärker ins Bewusstsein vieler Bürgerinnen und Bürger getreten. Die fortschreitende Digitalisierung tut ihr Übriges und stellt die Kulturschaffenden sowohl in Frankreich als auch in Deutschland vor neue Herausforderungen. Das hat das Selbstverständnis des Kulturrats verändert.

Aline Maldener

© DFKR

Wir begleiten und fördern die deutsch-französische und wo immer möglich die europäische kulturelle Zusammenarbeit. Dabei verfolgen wir keine eigene kulturpolitische Agenda, sondern greifen vielmehr aktuelle Themen im Kulturbereich auf und versuchen, deutsch-französische Positionen zu formulieren. Im Prinzip haben wir eine beratende Funktion für die Politik, ohne dass sich die politisch Handelnden beider Länder in die Inhalte unserer Arbeit einmischen“, erklärt Aline Maldener, die  seit April als Geschäftsführerin im deutschen Generalsekretariat des Kulturrats tätig ist.

Es war nie das Ziel, eigenständige Projekte durchzuführen, dafür fehlen dem Rat einfach das Personal sowie das entsprechende Budget. Vielmehr ging es darum, Denkanstöße in der deutsch-französischen kulturellen Zusammenarbeit zu geben, eine Art Ideenlabor und Impulsgeber zu sein. Im Zeitalter der Digitalisierung und von Corona sollen nun neue Formate entwickelt, die Präsenz in den sozialen Netzwerken erhöht und die Arbeit des Rats einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Neue Formate in Arbeit

Nachhaltigkeit, Gleichstellung, Europa, Interkulturelles und Kräfte bündeln rücken stärker in den Fokus. Im September fand ein generationenübergreifendes Festival mit französischer Popmusik in Düsseldorf statt, organisiert von einer deutsch-französischen Musikagentur. Im Dezember greift der Rat in Paris die Idee des „Weimarer Dreiecks“ auf in der Veranstaltung „Jugend und Europa – Fangen wir mit der Kultur an“. Junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren aus Deutschland, Frankreich und Polen sollen ihre Anliegen in Workshops formulieren und im Anschluss an die Politik herantragen, zum Beispiel wie divers oder wie nachhaltig Kultur ist. 2022 ist ein interkulturelles Mentoring-Programm für die junge Arbeitnehmerschaft im kulturellen deutsch-französischen Umfeld geplant, um den Austausch im beruflichen Bereich zu fördern.
Vorstellbar wäre zudem ein europäischer Kulturpass, den es in beiden Ländern in verschiedenen Variationen und unterschiedlichen Zielsetzungen bereits gibt. In Frankreich können alle 18-jährigen den sogenannten „Pass Culture“ beantragen, d. h. sie bekommen ein Budget von 300 Euro geschenkt, mit dem sie beispielsweise ins Museum, in ein Programmkino oder zu einem Festival gehen, aber auch Computerspiele und Comics kaufen können. In Deutschland gibt es zwar einzelne lokale oder regionale „Kulturpässe“, die aber viel stärker pädagogisch ausgerichtet sind. Ziel sei es, eine Synthese aus beiden Ansätzen zu schaffen und einen gemeinsamen Pass in Form einer App zu etablieren, um jungen interessierten Menschen in beiden Ländern Kultur näher zu bringen. Das funktioniere aber nur mit Kooperationspartnern schon aus Gründen der Finanzierung. nea


Der Deutsch-Französische Kulturrat

Der Deutsch-Französische Kulturrat (DFKR) mit Sitz in Saarbrücken wurde 1988 von Kohl und Mitterrand ins Leben gerufen, um der deutsch-französischen Zusammenarbeit im Kulturbereich neue Impulse zu verleihen. Im Rat sind jeweils sechs französische und sechs deutsche Mitglieder aus dem Kultur- und Kunstbereich sowie der Kreativszene ehrenamtlich tätig. Die Arbeit wird vom französischen und deutschen Generalsekretariat koordiniert. Juristischer Träger ist die Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit. Die Finanzierung des Rats erfolgt paritätisch zwischen Deutschland und Frankreich.


 

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