Oberrhein

Das Pompeji des Ersten Weltkriegs wartet auf eine zweite Exhumierung

Im Jahr 2010 wurde bei Straßenbauarbeiten im Südelsass der Killianstollen freigelegt, ein deutscher Tunnel, der durch einen Bombenangriff am Ende des Ersten Weltkriegs verschüttet war. Bei den Ausgrabungen wurden rund 1.000 Gegenstände gefunden. Ein Verein will sie in einem örtlichen Archäologiemuseum ausstellen.

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Die Entdeckung löste "eine unglaubliche Begeisterung" aus, erinnert sich Serge Renger, der Vorsitzende des Vereins Killianstollen. Medien und Beamte waren zahlreich nach Carspach im Sundgau gekommen, als 2010 bei Straßenbauarbeiten der 115 Meter lange Stollen und 21 sterbliche Überreste deutscher Soldaten freigelegt wurden. Einige bezeichneten die im März 1918 durch eine französische Bombardierung verschüttete Stätte sogar als "kleines Pompeji des Ersten Weltkriegs".

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© Romain Gascon

"Am Killianstollen konnten wir die sterblichen Überreste identifizieren. In der Nähe der Soldaten wurden persönliche Gegenstände gefunden - ein Würfelspiel, ein Kugelschreiber, eine Pfeife, ein Ehering ... -. Die Geschichte dieser Gegenstände, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, ist mehr oder weniger bekannt, es sind Gegenstände aus dem Leben. Unser Ziel ist es, ein Museum über die Archäologie des Ersten Weltkriegs in seiner Gesamtheit zu errichten. Das wäre etwas anderes als das, was man in den Gedenkstätten in Dannemarie oder auf dem Hartmanswillerkopf sieht", betont Serge Renger.

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Pfeifen, die auf dem Kilianstollen gefunden wurden, ausgestellt im Deutschen Militärhistorischen Museum in Dresden, 2014. © Association Kilianstollen

In Sélestat und in Dresden

Die Archäologie des Ersten Weltkriegs ist ein neueres Forschungsgebiet, das mit der Entwicklung der präventiven Archäologie in den 1990er Jahren entstand. Der abgebaute Teil des Stollens und die tausend Objekte, die am Killianstollen von Archéologie Alsace gesammelt wurden, sind in einer öffentlichen Einrichtung in Sélestat gelagert. Die Teams haben eine Wechselausstellung mit dem Titel Mémoires archéologiques de la Grande Guerre konzipiert, die sich größtenteils aus den Fundstücken der Ausgrabungsstätte aus dem Sundgau zusammensetzt. Im Jahr 2014 widmete das Deutsche Militärhistorische Museum in Dresden dem Killian-Stollen im Rahmen einer thematischen Ausstellung zum Kriegseintritt einen besonderen Fokus.

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Das vom Verein Killianstollen errichtete und im März 1918, zum hundertsten Jahrestag der Tragödie, eingeweihte Denkmal. © Association Kilianstollen

Original- und originalgetreue Schützengräben

Der Wunsch des Vereins Killianstollen, seines Präsidenten Serge Renger, seines deutschen Vizepräsidenten Jürgen Ehret und der rund 50 Mitglieder ist es, die in Carspach gefundenen Objekte in "einem Museum in der Nähe auszustellen. Vorbild dafür sind entsprechende Einrichtungen in Verdun oder der Normandie. Jeder Ort hat seine Besonderheiten", betont der Vorsitzende. Nach der Errichtung einer Gedenkstätte vor Ort, die zum 100. Jahrestag der Tragödie im Jahr 2018 eingeweiht wurde, sucht der Verein nun einen Raum für sein Archäologiemuseum. Eine ehemalige Industriehalle in der Gemeinde ist im Gespräch.

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Der Verein Kilianstollen möchte im Rahmen seines Museumsprojekts, das der Archäologie des Ersten Weltkriegs gewidmet ist, einen Teil des ursprünglichen Stollens, der an der Fundstelle entnommen wurde, wieder aufbauen. © Association Kilianstollen

Zu den bei den Ausgrabungen gesicherten Objekten und dem Teil des Stollens, der laut Serge Renger von Archéologie Alsace zur Verfügung gestellt werden soll, kommen mehrere Dutzend Meter originalgetreu nachgebauter Stollen hinzu, die nach dem Ende der Sonderausstellung in Dresden geborgen wurden. In der Zwischenzeit werden einige der am Killianstollen ausgegrabenen Objekte ab September in einer neuen Sonderausstellung der Gedenkstätte in Dannemarie, knapp zehn Kilometer von Carspach entfernt, zu sehen sein, die der Archäologie des Ersten Weltkriegs im Elsass gewidmet ist.

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