Bliesbruck-Reinheim, tausendjähriger Schmelztiegel der zeitgenössischen Zusammenarbeit
Das Eurodepartement Moselle und das Saarland haben dem Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine kniffelige Aufgabe gestellt: die der Verwaltung einer archäologischen Stätte, die sich über eine Grenze hinweg zieht.

Im Jahr der Unterzeichnung des Vertrags von Aachen wurde 2019 auch das dreißigjährige Bestehen des Archäologieparks Bliesbruck-Reinheim gefeiert.
Die Überreste einer außergewöhnlichen gallo-römischen Stätte offenbaren seit ihrer Entdeckung im Jahr 1989 immer wieder Überraschungen und Schätze. Das 700.000 Quadratmeter große Gebiet, das die Grenze überspannt, war zunächst ein keltischer Fürstenhof, dann eine römische Siedlung, ein Thermalbad der Antike und wird zukünftig ein Kulturerbe sein.
1908 als Retter in der Not
Im August 2019 entwarfen Patrick Weiten, Präsident des Eurodepartements Moselle, und Dr. Theophil Gallo, Landrat des Saarpfalz-Kreises, den Plan, eine neue Struktur zu schaffen, mit der ein einziger grenzüberschreitender Betreiber eine ambitionierte gemeinsame Strategie umsetzen würde. Die Idee bot die Möglichkeit, den damals frisch unterzeichneten Vertrag von Aachen in die Praxis umzusetzen. Doch der einst ins Gespräch gebrachte Status eines Europäischen Verbunds für grenzüberschreitende Zusammenarbeit (EVGZ) erwies sich als ungeeignet, da er nicht alle Aufgaben erfüllen konnte, die man sich für die Entwicklung des Standorts vorstellte. Hingegen erwies sich das in Moselle und im Elsass geltende Gesetz von 1908, das auf eine gemeinsame Geschichte und Kultur zurückgeht, als sehr nützlich.

@ Guillaume Ramon
"Der Vereinsstatus, der durch das Gesetz von 1908 geregelt wird, wurde auf einfache und natürliche Weise akzeptiert. Er hat es ermöglicht, die deutsch-französische Parität auf allen Zuständigkeitsebenen zu wahren", betont Patrick Weiten, Präsident des Eurodepartements Moselle.
Die acht Partner - das Département Moselle und das Saarland, der Saarpfalz-Kreis und die Communauté de Communes Sarreguemines Confluences (Casc), Moselle Attractivité und das Fremdenverkehrsamt Saarpfalz und schließlich die Gemeinden Reinheim und Bliesbruck - werden voraussichtlich im März die Satzung dieses atypischen Vereins unterzeichnen.
Ein Laboratorium aus Aachen
So flexibel der Vereinsstatus auch sein mag, er allein wird die unzähligen sich abzeichnenden Schwierigkeiten nicht lösen. Ob es dem Vertrag von Aachen gefällt oder nicht, die Grenze verläuft tatsächlich durch die gallo-römische Stätte. Die städtebaulichen Vorschriften, die Regeln für die Zugänglichkeit, die Beleuchtungsnormen und sogar die Strafmaßnahmen im Falle von Beschädigungen spalten den Park in zwei Seiten. Doch zwei Berichterstatter, die das Departement Moselle und das Saarland vertraten, ließen sich nicht entmutigen und stellten ihr Projekt dem Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit vor, kurz nachdem dieser eingerichtet wurde.
Die 2.000 Jahre alte Anlage verwandelt sich so in ein Laboratorium für die zeitgemäße deutsch-französische Zusammenarbeit auf Nachbarschaftsebene. An "Irritationen", die der Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit beheben soll, wird es nicht mangeln. Die Gesundheitskrise hat bereits Kopfzerbrechen verursacht, als es darum ging, den binationalen Park wieder zu eröffnen, obwohl die Voraussetzungen für den Zugang der Öffentlichkeit (Masken, Impfnachweise) unterschiedlich waren. Die Organisation von Radrennen rund um den Park, die einheitliche Verwaltung der Souvenirläden oder auch die Beleuchtung des Geländes mit Straßenlaternen, die den europäischen und nicht den französischen oder deutschen Normen entsprechen, versprechen heiße Diskussionen. Der Aufwand lohnt sich, denn die Übung soll nicht nur ein binationales Territorialprojekt ermöglichen, sondern auch ein Modell schaffen, das auf andere europäische Kulturstätten übertragbar ist.