Lörrach, Nordwestschweiz, Sundgau

Grenzenlose Vielfalt auf zwei Rädern: die Dreiland-Radregion

Entlang der sonnigen Weinberge des Markgräflerlands in Deutschland, über die pittoresken Bergdörfer des Schweizer Jura, bis zu den typischen Fachwerkhäusern des französischen Sundgau - Der 210 Kilometer lange Dreiland-Radweg zeigt die landschaftliche, kulturelle und kulinarische Vielfalt des Dreiländerecks.

Dreiland-Radweg

Der Asphalt flimmert unter der gleißenden Sonne, es riecht nach Wildblumen, am Himmel zieht ein Adler seine Kreise. Es sind die Verbundenheit mit der Natur und das Durchqueren der charmanten Dörfer der Region, für die es sich lohnt, das Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz mit dem Fahrrad zu erkunden. Das haben sich auch die Gemeinden der drei Länder gedacht und unter der Leitung des Trinationalen Eurosdistricts Basel (TEB) in den letzten drei Jahren den großen und den kleinen Dreiland-Radweg neu beschildert, dreisprachige Informationstafeln aufgestellt und eine kostenlos erhältliche Fahrradkarte erstellt.

Pia Gerzmann

Pia Gerzmann © TEB

„Naturnaher Tourismus wird heutzutage immer wichtiger. Deshalb war die Idee, den gemeinsamen Radtourismus zu stärken. Es geht darum, eine gemeinsame Identität mit der Radregion zu schaffen und einen besseren Austausch zwischen den Touristeninformationen in den drei Ländern herzustellen“, erzählt Pia Gerzmann, Koordinatorin des Projekts „Dreiland-Radweg“ beim Eurodistrikt Basel.

Das Interreg-geförderte Projekt, das mit einem Gesamtbudget von 516.000 Euro ausgestattet war, wurde im Februar abgeschlossen. Den großen, 210 Kilometer langen Dreilandweg haben wir Anfang August drei Tage lang getestet. Das Fazit: Es lohnt sich.

3

Rheinbrücke zwischen Chalampé (F) und Neuenburg am Rhein (D) © Annalina Ebert

Zwischen Rhein und Wein

Das Schöne an einem Rundweg ist, dass es keinen festgelegten Anfangs- und Endpunkt gibt. Wir beschließen, in Mülhausen zu beginnen, der künstlerischen, belebten Industriestadt, die dieses Jahr zur „attraktivsten Stadt“ Frankreichs in Bezug auf Arbeit und Wohnung gewählt wurde. Vorbei an den vielen, für die Stadt typischen Wandfresken und am Musée National de l'Automobile geht es entlang der Ill und anschließend durch den Wald in Richtung Deutschland. Zwei kleine Flaggen auf der Rheinbrücke heißen die Radfahrer im Nachbarland willkommen, ein paar Minuten später befindet man sich schon in Neuenburg, wo noch bis Oktober die Landesgartenschau läuft.

Nun geht es immer am Rhein entlang, über die idyllischen Weinberge des Markgräferlands, im Hintergrund die Silhouette des Schwarzwaldes. Auf der Webseite der Dreiland-Radregion kann man sich über Einkehrmöglichkeiten bei Winzern und Restaurants erkundigen. Auch trifft man auf dem Weg auf kleine Farmen, die ihre frischen Produkte direkt vor der Tür verkaufen.

Die Badekultur Baden-Württembergs erleben

Doch der Südwesten Deutschlands ist nicht nur für sein sonniges Klima bekannt, sondern auch für die langjährige Tradition der Heil- und Thermalbäder. Ein Abstecher nach Badenweiler, wo sich noch die Ruinen eines alten Römerbades befinden, nach Bad Bellingen in die Balinea Thermen mit ihrer integrierten Salzgrotte und nach Bamlach ins Bädermuseum lassen einen in die Geschichte der Badekultur eintauchen, von der Römerzeit über das Mittelalter bis zur Moderne und der Entstehung der heutigen Thermen.

Christhart Heering

Christhart Heering © Annalina Ebert

„Im Jahr 1955 hat man hier eigentlich nach Erdöl gesucht, ist aber bei den Bohrungen stattdessen auf Heißwasserquellen gestoßen. So wurde dann beschlossen, eine Therme einzurichten“, erklärt der ehrenamtliche Museumsleiter Christhart Heering.

5

Die Badekultur Baden-Württembergs im Jahr 1956 © Annalina Ebert + Bädermuseum

6

Während es in Frankreich überwiegend Mineralquellen gibt (in blau), gibt es in Deutschland viele Thermalquellen (in rot) © Annalina Ebert + Bädermuseum

Ein Blick auf die Karte macht deutlich: Während es auf deutscher Seite deutlich mehr heiße Quellen und somit auch Thermalbäder gibt, befinden sich in den Vogesen vor allem Mineralquellen, die zur Trinkwasserherstellung verwendet werden. Der Grund dafür liegt vor allem in den geologischen Unterschieden auf beiden Rheinseiten, aber auch in den vermehrten Bohrungen in Baden-Württemberg.

7

Bei Problemen kann man jederzeit in den Zug einsteigen. © Annalina Ebert

Flexibel bleiben

Auf der Fahrradkarte der Dreiland-Radregion sind nicht nur Restaurants, Cafés und Sehenswürdigkeiten markiert, sondern auch Fahrradgeschäfte, die Reparaturen anbieten. Eher unfreiwillig haben wir auch diesen Service getestet, als uns am zweiten Tag die Fahrradkette gerissen ist. Da viele der angezeigten Fahrradläden jedoch im Urlaub waren, dauerte es eine Weile, bis wir auf „Struppi’s freie Fahrradwerkstatt“ gestoßen sind. Dieses Geschäft in Lörrach bietet einen 24h-Notfallservice an und fährt auch zu der Stelle, an der das Fahrrad kaputt gegangen ist, um es direkt vor Ort zu reparieren.

Doch auch bei allen unvorhersehbaren Ereignissen hat der Dreiland-Radweg zwei große Vorteile: Erstens ist man nie alleine, man trifft durchgehend auf andere Radfahrer oder Einheimische und zweitens führt die Strecke zu einem Großteil an den Bahngleisen entlang, sodass eine Weiterfahrt mit dem Zug fast immer möglich ist. Auch kann der Dreiland-Radweg jederzeit abgekürzt werden. Eine beschilderte Alternative ist auf der Hälfte des Weges vorgesehen und auch der Umstieg von dem großen auf den kleinen Dreiland-Radweg ist problemlos möglich.

8

Das Bergdorf „Rodersdorf“ im Schweizer Jura © Annalina Ebert

Es wird sportlich

Während die Strecke in Deutschland über flache, oft schattige und gut markierte Wege führt, wird man ab der Schweiz anfangen, seine Waden zu spüren. Mit einem Aufstieg von über 1000 Metern geht es durch Wälder, Täler und urige Dörfer, in denen man mit einem freundlichen Nicken begrüßt wird. Auf dem Weg finden sich mehrere Rastplätze und Cafés, um sich zu erholen und das Wasser aufzufüllen. Ihre Standorte sind auf der Fahrradkarte des TEB markiert. Wem die Strecke noch nicht anspruchsvoll genug ist, der kann sich mit einem Mountainbike auf den Waldpfaden ausprobieren. Für alle Menschen, die gemütlicher unterwegs sind, bietet sich ein E-Bike für die Strecke an.

9

Die dreitägige Tour auf dem großen Dreiland-Radweg neigt sich dem Ende zu. © Annalina Ebert

Sind die Berge des Schweizer und des Elsässischen Jura erst einmal erklommen, erhält man auf dem letzten Drittel des Rundwegs die Belohnung für seine Schweißperlen: Nun geht es rund 40 Kilometer nur noch bergab. Vorbei an typischen Fachwerk-Bauernhöfen, alten Kirchen und verlassenen Schulgebäuden, über Maisfelder und weitläufige, grüne Landschaften rollen die Räder ganz von alleine, immer auf asphaltierten, gut instand gehaltenen Radwegen. Auf dem Weg begegnen uns Graureiher, verschiedene Raubvögel, Kühe, Pferde und sogar ein Reh huscht vor uns über den Feldweg. Und wenn sich auf der Strecke der Hunger zu Wort meldet, dann bieten einem auf den sogenannten „Straßen des gebratenen Karpfens“ (Routes de la Carpe Frite) rund 30 Gaststätten dieses für den Sundgau typische Gericht an. Erschöpft, aber sehr zufrieden folgen wir schließlich auf den letzten zehn Kilometern dem Verlauf der Ill bis nach Mülhausen, um den Kreis zu schließen.

Attention

Beim Besuch unserer Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu, um Ihnen Inhalte und Dienste anzubieten, die genau auf Ihre Interessen abgestimmt sind.