Grand Est - Baden-Württemberg

Die Elektrolyse nimmt in Grand Est und Baden-Württemberg Fahrt auf

Die Regionen Grand Est und Baden-Württemberg sind davon überzeugt, dass Wasserstoff bereits in naher Zukunft eine wichtige Rolle in der regionalen Wirtschaft spielen wird. Sie verfolgen unterschiedliche Strategien, um sich darauf vorzubereiten. Die Initiative "Elektrolyse made in Baden-Württemberg" will die Potenziale der regionalen Wirtschaft für diesen neuen Technologiezweig nutzbar machen, um einen Demonstrator zu bauen, während die Initiative "DinamHyse" Akteure der Region Grand Est zusammenbringt, um Wertschöpfungsketten zu schaffen.

Dessin Hydrogène

Niemand zweifelt daran, dass Wasserstoff einen wichtigen Platz im Energiewandel einnehmen wird. Trotzdem ist das Ausmaß des Bedarfs, die Art und Weise, wie er gedeckt werden kann, sowie die Auswirkungen dieses Wandels auf den lokalen Arbeitsmarkt nach wie vor eine Gleichung mit vielen Unbekannten. "Die Europäische Union hat beschlossen, den Verbrennungsmotor bis 2035 abzuschaffen. Von dieser Entscheidung sind viele Arbeitsplätze betroffen: Entweder werden sie in den Regionen bleiben oder verlagert werden", erklärt Nicolas Quéromès, Forschungsingenieur der Wasserstoff-Branche Grand Est an der Universität Lothringen und wissenschaftlicher Leiter des Projekts DinamHyse. Beim Umgang mit dieser Problematik gibt es unterschiedliche Herangehensweisen.

Ein "hausgemachter" Elektrolyse-Demonstrator

Die Ende November bei den deutsch-französischen Gesprächen in Nancy vorgestellte Initiative "Elektrolyse made in Baden-Württemberg" setzt auf den Bau von Elektrolyse-Anlagen, um bis 2040 ein klimaneutrales Bundesland zu schaffen, und gleichzeitig den Arbeitsmarkt zu stärken. Das Projekt zielt darauf ab, dass Unternehmen aus Baden-Württemberg 100 Prozent der Komponenten einer Elektrolyse-Anlage liefern und diese einem Montagebetrieb zur Verfügung stellen, der dann der Endhersteller ist. Dadurch könnten 16.500 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden. Rund 60 Unternehmen beteiligen sich bereits am Bau eines ersten Demonstrators, der den ersten Beweis für die technische Machbarkeit erbringen soll. Dieser Pilot soll im ersten Quartal nächsten Jahres im Zentrum für Sonnenenergien und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart entstehen.

Maike Schmidt

© DR

 „Die bisherigen Studien unterstreichen die Machbarkeit: Die Kompetenzen, die für die Entwicklung einer Elektrolyse-Anlage erforderlich sind, und das industrielle Profil des Landes passen nahezu perfekt zusammen", erklärt Maike Schmidt, Leiterin des Fachgebiets Systemanalyse am ZSW.

Diese Stiftung von bürgerlichem Recht verbindet das Land, Universitäten und den Privatsektor. Ihren Analysen zufolge können regionale Branchen (Metall, Maschinenbau, Elektrotechnik, Kunststoffverarbeitung usw.), die bereits zu den Grundpfeilern der industriellen Struktur in Baden-Württemberg zählen, 95 Prozent der Komponenten einer Elektrolyse-Anlage liefern. Unter diesen verfügen die Automobilzulieferer "über das nötige Fachwissen und die Produktionsmittel, um Co-Akteure" der Strategie zu sein, betont Maike Schmidt. Die regionale Automobilindustrie hätten damit die Chance, sich zu diversifizieren und dadurch den negativen Auswirkungen der Elektrifizierung entgegenwirken.

Das Land wird allerdings nicht auf den Import von Wasserstoff verzichten können und plant, sich an seine nahen Nachbarn zu wenden. "Wir würden uns sehr freuen, eine engere Zusammenarbeit mit dem Grand Est zu diesem Thema zu initiieren", sagt Maike Schmidt.

Suche nach Zusammenarbeit

Der Grand Est beabsichtigt ebenfalls, die potenziellen Wasserstoff-Akteure zu vereinen, verfolgt dabei aber einen etwa anderen Plan als die rheinischen Nachbarn.

Jacques Haenn

© DR

"Zwei großen Industrievorhaben in der Region zeigen, dass der Bau von Elektrolyse-Anlagen schon ziemlich reif wird. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, von vorne anzufangen", sagt Jacques Haenn, der im Rahmen des Dinamhyse-Projekts für die Wasserstoff-Branche in der Region Grand Est zuständig ist.

ZSW

Das ZSW baut zur Zeit in Ulm ein Gebäude zum Testen von Brennstoffzellenstacks in Partnerschaft mit dem Fraunhofer-Institut und andere Akteuren aus der Industrie und der Forschung. © Martin Duckek

Der französisch-belgische Konzern John Cockerill wird im Frühjahr 2023 bim Elsass in Aspach-le-Haut eine Produktionsstätte für Elektrolyse-Zellen, die Schlüsselkomponenten der Anlagen, in Betrieb nehmen. In Belfort will McPhy eine Wasserstoff-Fabrik errichten. An spezialisierten Industrieunternehmen wird es in der Region also nicht mangeln.

DinamHyse wird zu 50 Prozent vom Regionalrat der Region Grand Est und zu 50 Prozent aus privaten Mitteln finanziert, die vom Kompetenzzentrum Véhicule du futur garantiert werden. Das Projekt zielt daher darauf ab, alle potenziellen Akteure der lokalen Wasserstoff-Wertschöpfungskette zu vereinen. Es wird von einem Konsortium aus 13 Partnern geleitet und bildet einen "Wasserstoff-Club" mit 68 Mitgliedern, von Start-ups bis hin zu großen Konzernen. John Cockerill trifft hier auf Haffner, einen Spezialisten für Biomassekraftwerke, das Start-up-Unternehmen Mobhy aus den Vogesen, dessen geografisches Informationssystem die potenziellen Vorkommen von grünem Wasserstoff lokalisiert, und das elsässische Unternehmen XYdrogène, das den ersten "Marktplatz" für Wasserstoff und die Speicherung erneuerbarer Energien initiiert hat. Diese Kombination soll einen neuen Industriezweig anstoßen, der die Themen Mobilität, Produktion und Nutzung umfasst.

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