Luxemburg – Oberrhein

Hélène Langinier, Lehrerin und Forscherin

"Vielfalt wird zu einem zentralen Thema in Unternehmen

Hélène Langinier unterrichtet und ist Forscherin im Bereich Personalmanagement und soziale Verantwortung von Unternehmen an der Strasbourg Business School. Als Spezialistin für interkulturelles Management und sprachliche Vielfalt gelten Luxemburg und der Oberrhein für sie als reiches Experimentierfeld.

Hélène Langinier

Gemeinsam mit Aline Pereira Pündrich und Akram Al Ariss arbeiten Sie an einer Studie über im Ausland lebende Frauen in Luxemburg im Sektor der "Big Four". Warum haben Sie dieses Thema gewählt?

Während die wissenschaftliche Literatur vor allem die Schwierigkeiten bei der Integration von Nichteuropäern aufzeigt, waren uns recht erfolgreiche Erfahrungen bekannt. Wir befragten daher 21 Frauen, zumeist aus Ländern außerhalb der Europäischen Union, die in luxemburgischen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne im Bereich Wirtschaftsprüfung und Beratung beschäftigt sind. Wir wollten herausfinden, welche Ressourcen sie genutzt haben, um sich nicht nur erfolgreich zu integrieren, sondern auch ihre berufliche Laufbahn zu entwickeln.

Diese Frauen aus Afrika, Asien oder Russland verfügten in der Regel über einen Master-Abschluss im Finanzwesen. Neben diesen technischen Fähigkeiten sprachen sie mehrere Sprachen, darunter Englisch oder manchmal auch Deutsch und Französisch. Schließlich zeigten sie eine große Fähigkeit, sich an ein multikulturelles Umfeld anzupassen, und zwar in einem Umfeld, der sich dafür gut eignete. Luxemburg hat einen großen Bedarf an Arbeitskräften, insbesondere im Finanzsektor, und unternimmt große Anstrengungen, um Stellen zu besetzen, die auf dem europäischen Markt nicht verfügbar sind.

Ist Luxemburg also ein Vorbild in Sachen Integration?

Nicht unbedingt. Unsere Studie, die sich mit weiblichen Hochschulabsolventen befasst, deckt nicht alle Bereiche der Vielfalt ab. Es gibt auch Unterschiede zwischen den großen internationalen Unternehmen, die sich in Luxemburg niedergelassen haben, und dem öffentlichen Sektor oder den KMU, wo die Arbeitsplätze hauptsächlich luxemburgisch sind. Dennoch hat Luxemburg diesen Frauen zweifellos die Möglichkeit geboten, schneller voranzukommen als in Frankreich, wo Französisch eine wesentliche Voraussetzung ist, oder in England. Vor dem Brexit wurden in der City viele und sehr unterschiedliche Mitarbeiter eingestellt, aber um in Entscheidungspositionen zu gelangen, war es besser, aus Oxford oder Cambridge zu kommen.

Die EM Strasbourg und die ESB Business School in Reutlingen (Baden-Württemberg) bieten einen deutsch-französischen Master-Studiengang in European Management Studies an. Welche Lehren haben Sie aus diesem Programm gezogen?

Erstens, dass deutsch-französische Kompetenzen sehr gefragt sind. Viele unserer Studenten werden eingestellt, noch bevor sie ihren Master-Abschluss gemacht haben. Neben der Sprache wird auch die Fähigkeit, sich an ein anderes Umfeld anzupassen, geschätzt. Unter unseren Studierenden haben wir viele binationale Profile, nicht unbedingt deutsch-französische. Wir bewerten ihre multikulturellen Fähigkeiten von dem Moment an, in dem sie das erste Jahr in Deutschland beginnen, und dann am Ende ihres Kurses in Frankreich. Wir schlagen nun vor, unsere Untersuchungen bei ehemaligen Studenten fortzusetzen, um zu sehen, wie sich dieser Multikulturalismus auf ihre berufliche Laufbahn ausgewirkt hat.

Glauben Sie, dass in einer Zeit, in der der Identitätsentzug stark ausgeprägt ist, die Vielfalt in den Unternehmen zunimmt?

Es hängt von der Organisation, dem Sektor und dem Kontext ab. Vielfalt wird zu einem wichtigen Thema in den Unternehmen, wobei es sich um sehr unterschiedliche Themen handeln kann: sprachliche Vielfalt, kulturelle Vielfalt, Vielfalt im Zusammenhang mit Behinderungen, geschlechtsspezifische Vielfalt, Vielfalt zwischen Junior und Senior usw. In Luxemburg, wo eine Vielzahl von Nationalitäten nebeneinander leben, ist die Integration vielleicht einfacher als in kleinen Unternehmen, in denen es keine Ausländer gibt. In Deutschland spielt die Altersfrage eine größere Rolle als anderswo. Führende Diversitätsforscher sind der Meinung, dass dieses Thema nicht isoliert behandelt werden kann.

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