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In Charleville-Mézières belebt Temps D'M die Marionetten im "Off"

Vom 14. bis 18. September pulsiert ganz Charleville-Mézières im Rhythmus der Marionette, ein festlicher Auftakt des nächsten Weltfestivals im Jahr 2023. Die Stadt in den Ardennen stärkt ihre internationale Positionierung in dieser atypischen Kunst.

Charleville-Mézières marionnettes

Charleville-Mézières wartet voller Tatendrang auf das Weltfestival des Marionettentheaters 2023. Da dieses alle zwei Jahre stattfindet, führen die Jahre zwischen den Festivals zu einem überfüllten "Off", das in "Temps D'M" umbenannt wurde. Vom 14. bis 18. September werden die Marionetten in den Sälen, Straßen und Bars der Stadt in den Ardennen für eine künstlerische und volkstümliche Sequenz zum Leben erweckt. 

Riesige Maulwürfe und ein Kunstpicknick

Selbst das abgespeckte Programm lässt sich kaum zusammenfassen, da es so viele Höhepunkte gibt. Die Aufführung hybridité#2 der Französin Laurie Cannac, die sich auf Körperpuppen spezialisiert hat, hat für diesen Anlass den deutschen Tänzer und Performer René Reith eingeladen. Am Samstag, 17. September, wird die Gruppe "Maulwürfe" in Koproduktion mit dem Kunstfestivaldesarts in Brüssel und dem Centre dramatique de Nanterre-Amandiers ein Konzert auf dem Ducale-Platz geben. Für Groß und Klein gibt es Aufführungen, mit  traditionellen oder zeitgenössischen Techniken. Die Nationale Hochschule der Marionettenkunst (ENSAM) öffnet ihre Räumlichkeiten, um den Bau von Marionetten zu zeigen. Ein sonntägliches Kunstpicknick im Stil der "Auberge espagnole" - bei dem jeder seinen Korb mitbringt und teilt - wird die Gäste zu den Klängen der DJ-Sets des Vereins Karlsstadt aus Charleville-Mézières zusammenführen. Insgesamt werden 15 Teams aus zehn Ländern in fünf Tagen 19 Shows und 72 Aufführungen bieten.

Fingerspitzengefühl hinter den Kulissen

Charleville-Mézières marionnettes

Das Kulturministerium hat Pierre-Yves Charlois, den derzeitigen Direktor des Weltfestivals von Charleville-Mézières, gebeten, die Vorplanung des künftigen Referenzzentrums für Puppentheaterkunst zu leiten. © Hervé Dapremont

Dies ist jedoch nur die Vorderseite der Bühne. Seit Jacques Félix (1923-2006) 1961 das internationale Festival ins Leben rief, wird Charleville-Mézières immer wieder mit dem Marionettentheater in Verbindung gebracht und ist mittlerweile die Welthauptstadt des Marionettentheaters. Im Jahr 2022 wurden neue Dimensionen erreicht. Das französische Kulturministerium wünschte eine Zusammenführung des Weltfestivals der Puppentheater und des internationalen Marionnetteinstituts, das seit 1981 für Ausbildung und Forschung zuständig ist, zu einer einzigen Struktur. Diese Fusion führte zur Gründung des Pôle de référence des arts de la marionnette (Referenzzentrum für Puppenspielkunst). Ein Vorgründungsausschuss wurde gerade eingerichtet. Es wird von Pierre-Yves Charlois geleitet, der seit 2020 Direktor des Festivals ist und im Juli zum Interimsdirektor des Instituts ernannt wurde.

Die Marionetten haben ihre Stadt

Parallel dazu investiert die Stadtverwaltung in das Projekt "Cité des arts de la marionnette" (Stadt der Puppenkunst), dessen Gesamtkosten sich auf rund 12 Millionen Euro belaufen. Eines der Ziele ist es, "ein permanentes und attraktives Kulturangebot zu haben, das sich an die breite Öffentlichkeit richtet", argumentierte der Bürgermeister Boris Ravignon bei der Vorstellung des Projekts vor einem Jahr. Die erste konkrete Maßnahme war die Aufnahme der in Phalsbourg ansässigen professionellen Theatergruppe "Avec ou Sans Fil" als Residenz in diesem Sommer. Fast einen Monat lang führte sie ihre beiden Stücke "La Famille Potorowski" und "Johnny Be Good" auf, bot Kamishibai-Workshops (kleine Form) an und untermalte das Ganze mit musikalischen Darbietungen. In Planung ist auch die Einrichtung eines Flügels im Ardennenmuseum, um ihn ganz der außergewöhnlichen Marionetten-Sammlung in Charleville-Mézières zu widmen.

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